Die Zeit hat viele Beine

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Max Dauthendey: Die Zeit hat viele Beine Titel entspricht 1. Vers(1892)

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Die Zeit hat viele Beine,
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Zwei kannst Du an Dir sehn.
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Zum Kommen ist das eine,
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Das andere zum Gehn.

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Ist Jemand fortgegangen,
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So sieht man sich allein.
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Hast Du an ihm gehangen,
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Fallen Dir Tränen ein.

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So weinte auch Johanna,
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Beweinte ihren Franz.
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Ihr Herz, sonst süß wie Manna,
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Verbitterte sich ganz.

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Am Sarg saß sie daneben
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Mit Tüchern in der Hand.
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Und Tränen wollt' sie geben,
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Bis ihr das Aug' leer stand.

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Dann hat sich ein Gedanke
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Zu Hanna hingesetzt.
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Er pufft sie in die Flanke,
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Sie hat's nicht unterschätzt.

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Sie sammelt sich entschlossen
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Und nickt voll Seelenruh'
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Ihm, der sie angestoßen,
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Verständnisinnig zu.

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Sie nimmt ein Kohlenbecken,
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Füllt's mit Holzkohlen an.
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Den Tod soll das bezwecken,
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Wenn man nicht anders kann.

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Am Fensterbrett, da lachen
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Die Blumenstöck' ihr zu;
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Gelbe Kanari machen
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Laut singend viel Getu'.

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Und daß der Tod vollkommen,
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Trinkt sie 'nen Liter Rum.
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Der Tod hat Platz genommen,
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Und doppelt kam sie um.

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Zu Franz kam dann Johannen
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Im Himmelbette an.
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Niemand durft' sie verdammen,
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Da sie's aus Lieb' getan.

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Nur ist ihr Himmelsnäschen
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Jetzt rot – Franz lächelt stumm.
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Sie leert noch oft ein Gläschen,
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Gewöhnt ans Liter Rum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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