Bett an Bett, zwei Betten standen

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Max Dauthendey: Bett an Bett, zwei Betten standen Titel entspricht 1. Vers(1892)

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Bett an Bett, zwei Betten standen,
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Drauf sich zwei Pakete fanden.
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Frische Wäsche war darin.
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Zwei legten sie vorhin hin.

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Diese Zwei sind dann gegangen.
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Und mit Blicken, mit schmerzlangen,
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Schieden sie vom Zimmerort.
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Denn man ging für immer fort.

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Und in den Paketen drinnen
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Lagen Hemden, zwei aus Linnen.
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Eines davon war ein Herr,
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Doch das andere weiblicher.

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Beide Hemden sich gut kannten
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Und sich laut beim Namen nannten.
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Das, vom Herrn, hieß Heinerich,
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Frida rief das andere sich.

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»heinerich, was soll's bedeuten?
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Was geht vor mit unsern Leuten?
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Etwas muß im Gange sein,
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Man schließt uns hier seltsam ein.«

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»frida, mußt Dich nicht erschrecken,
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Sonst kriegt Leinewand Stockflecken.
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Sieht mans Leben zu genau,
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Wird leicht jeder Faden grau.«

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»heinerich, mir wird's so eigen!«
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»frida, später wird sich's zeigen.«
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»heinerich, mir wird so schwül!«
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»echte Leinwand, Weib, bleibt kühl.«

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»heinerich, ich fühl ohn' Ende
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Jene Finger jener Hände,
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Jenes Blut, das mich sonst wärmt,
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Schien mir heute so verhärmt.

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Heute stehn wir vor dem Tode!
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Gestern noch in der Kommode –
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Heinerich, wer hätt's gedacht,
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Leichen schmücken wir zur Nacht.«

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»frida, was treibt Dich zu Schlüssen,
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Die sich erst beweisen müssen?
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Unser Leben war nie schwer,
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Lustig ging's stets in uns her.

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Denk' nur an die Hochzeitshitzen,
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Die in unseren Fäden sitzen!
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Dampfend lag Dein Spitzenlatz
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Oft an meinem Brusteinsatz.

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Frida, mach' nicht mehr Grimassen!
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Man muß Dich sonst bügeln lassen«.
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»heinz, etwas ins Zimmer tritt,
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Kalt wie einer Schere Schnitt.

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Eiskalt werden meine Spitzen.
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Siehst Du es am Bett nicht sitzen?
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Ach, ich sehe es genau,
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's ist der Tod mit seiner Frau.«

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Beide Hemden, unter Zittern,
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Bei dem Bett den Tod kalt wittern.
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Und es krachte jede Naht,
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Weil der Tod sie schütteln tat.

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Horch! Ein Poltern auf den Treppen.
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Männer jetzt zwei Leichen schleppen.
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Frida kannte sie sogleich,
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Und auch Heinerich wird bleich.

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Denn der guten Hemden Leute,
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Gar zu mies ging's ihnen heute.
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Elend sucht den Tod, weil's muß –
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Tot zog man sie aus dem Fluß.

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In derselben Nacht im Zimmer
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Lagen Zwei im Bett wie immer;
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Eins im Tode, außen fremd,
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Schmückte sie ihr Hochzeitshemd.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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