»herr Heinz, er ist mir teuer«

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Max Dauthendey: »herr Heinz, er ist mir teuer« Titel entspricht 1. Vers(1892)

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»herr Heinz, er ist mir teuer«,
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Sprach eine andre Amme
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»vom Mond und aus dem Feuer
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Holte er meine Dame.

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Und wenn ein Mann bezwungen
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Des Feuers Übermacht,
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Dann sei von ihm gesungen
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Wohl eine ganze Nacht.«

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Die sieben andern Ammen
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Taten ans Herz sich fassen.
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Sie rückten eng zusammen
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Und stellten fort die Tassen.

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»ein Rätsel«, sprach die Eine
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Und wischte sich den Mund,
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»war Fanny meine Kleine,
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Als sie im Brautstand stund.«

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Die Fanny war verlobet
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Mit einem Kommandant,
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Der stets, wo Feuer tobet,
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Auf Feuerleitern stand.

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Und dieser selbe nämlich
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Saß abends mal beim Wein
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Und schenkte sich bequemlich
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Vom Affenthaler ein.

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Hat plötzlich da vernommen,
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Man rief: »Herr Kommandant!
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Sie müssen eiligst kommen,
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Nicht weil was angebrannt,

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Weil Ihre Braut, die Dame,
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Im Hemd steigt auf das Dach.
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Der Mond tat's, der Infame,
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Er zieht sie schlafend nach.«

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Der Kommandant voll Fieber
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Trinkt schnell sein Glas noch leer.
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Ein Feuer wär' ihm lieber,
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Als diese Mondaffär.

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Und in der Menschenmenge,
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Die sichs Tableau beschaut,
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Dem Bräutigam wird's enge –
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Zu locker geht die Braut.

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Im Hemd geht sie spazieren
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Und war auch ohne Hut.
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Das muß ihn sehr genieren,
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Da man das sonst nicht tut.

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Ihr schien nichts aufzufallen,
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Sie balanciert am Dach
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Vor diesen Menschen allen –
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Schon's Hinschaun machte schwach.

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Der Kommandant, nervöse,
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Darf nicht befehlen laut.
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Das macht ihn mehr noch böse
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Als ohne Hut die Braut,

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Daß er hier lautlos stehen
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Und dieses ansehn muß,
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Wie Alle sich ergehen
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Und sichtlich mit Genuß.

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Nämlich zur Mandoline
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Hört man ein Lied, das lockt.
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Herr Heinz, mit Schwärmermiene,
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Am Nachbardache hockt.

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Der will die Dame retten,
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Probiert es mit Musik.
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Im Volke schließt man Wetten
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Und hängt am Augenblick.

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Herr Heinz sang eine Ronde
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So schön, 's war nicht zu viel,
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Daß er der Dam' im Monde
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Besonders gut gefiel.

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Sie schritt auf ihrer Zinne,
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Die Freud' war unten groß –
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So wie er sang von Minne,
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Ließ sie den Mond gleich los.

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Es wichen die Gespenster,
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Es glänzt Fanny's Gesicht.
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Sie folgt zum Giebelfenster,
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Weil Heinz ihr viel verspricht.

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Sie tut mit Heinz verschwinden –
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Dem Kommandant macht's Qual.
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Im Dachstuhl muß er finden
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Die Dame seiner Wahl.

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Sie lehnt in einer Ecken
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In Heinzens Paletot.
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Er braucht sie nicht zu wecken,
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Wach war sie so wie so.

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Heinz weilte bei der Kranken,
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Man konnte nicht viel sehn.
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Sie sprach, sie tät ihm danken
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Und wüßt' jetzt, was geschehn.

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Sie sprach, nichts tät' sie reuen
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Es hab der Mond zur Nacht
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'nen Freund ihr zum Erfreuen
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In dem Herrn Heinz gebracht.

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Eh' sie aus'nander gingen,
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Bat sie Herrn Heinzen sehr,
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Er möcht' ihr öfters singen,
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Sie höre gerne mehr.

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Herr Heinz versprach es innig,
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Er käme zu Besuch. –
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Der Kommandant ward sinnig
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Und grübelnd wie ein Buch.

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Er wurde aus dem Wesen
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Der Fanny nicht mehr klar.
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Seit sie beim Mond gewesen,
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Verblieb sie sonderbar.

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Auch tat ihn fast umbringen
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Herrn Heinzens Sängerruhm.
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Auch er möcht' sehr schön singen
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Und blieb nicht gerne stumm.

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Der Kommandant bedachte
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Sich kopflos eine Nacht,
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Bis er's zum Wahnsinn brachte
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Und Brandstiftung gemacht.

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Von jetzt ab war im Städtchen
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Fast jede Nacht ein Brand,
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Und stets rettet die Mädchen
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Vom Dach der Kommandant.

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Man ging schon nicht mehr schlafen,
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Die halbe Stadt blieb wach,
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Und manche Mädchen trafen
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Bekannte auf dem Dach.

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Der Kommandant ging breiter,
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Breit baute ihn sein Ruhm.
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Und sang er auch nicht, leider,
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So blieb er auch nicht stumm.

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Täglich tat Bränd' er legen,
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Es ließ ihn nicht mehr ruhn.
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Mädchen und sich zum Segen
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Macht' er sich viel zu tun.

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Doch immer ward das Wesen
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Der Fanny ihm nicht klar.
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Seit sie im Mond gewesen,
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Verblieb sie sonderbar.

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Er dacht': sie muß ins Feuer!
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Verbrennt ihr altes Haus,
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Wirk' ich auf sie dann neuer
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Und zieh sie glühend 'raus.

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Doch stets tut anders kommen,
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Was man bedenkt voraus,
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Und was man vorgenommen,
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Führ man nicht immer aus.

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Das Feuer hat gewütet,
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Die ganze Stadt es sah.
143
Die Fanny war vergütet,
144
Die Fanny war nicht da.

145
Bei Heinzen saß die Fanny.
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Heinz sang für sie sein Lied,
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Der Heinz sang schön wie gar nie,
148
So schön, daß man nichts sieht.

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Wohl hörten sie vom Brennen,
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Doch war's nicht wunderbar.
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Man ließ die Leute rennen
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Und blieb, wo's heißer war.

153
Der Kommandant vergeblich
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Sucht Fanny auf dem Dach,
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Verbrennt sich sehr erheblich
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Und denkt ganz furchtbar nach.

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Sein Wahnsinn, wie noch gar nie,
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Brennt heller als das Haus.
159
Er schreit verzweifelt: »Fanny!«
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Doch sie sieht nirgends 'raus.

161
Er steht auf höchster Leiter,
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Vor Schrecken wird er schmal,
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Vorher war er viel breiter;
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Er krümmt sich wie ein Aal.

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Er schrie: »'ne ganze Anzahl
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Der Bränd' hab' ich gelegt!
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Bestraft hat mich das Schicksal,
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Wie's so zu gehen pflegt.

169
Verbrannt ist meine Fanny,
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Und ist der Brand jetzt aus,
171
So seh ich sie wohl gar nie –
172
Bringt mich ins Irrenhaus!«

173
Man ruft: »Sie ist gerettet!
174
Seht, Fanny kommt und lacht.«
175
Und wieder wird gewettet:
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Herr Heinz hat das vollbracht.

177
Man sieht sie tanzend gehen,
178
Sie kommt von Heinzens Haus,
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Und da 's doch Alle sehen,
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Macht sie sich nichts daraus.

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Wohl ist es schon bald Morgen,
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Doch Heinz führt sie entzückt.
183
Sie kommen ohne Sorgen,
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Wie Zwei, die sich beglückt.

185
Fanny blieb lachend stehen,
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Sie spricht zu ihrem Heinz:
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»wenn Häuser auch vergehen,
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Man findet wieder eins.

189
Durch Dich bin ich entkommen
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Dem Mond und Feuerherd.
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Längst wär' ich schon verglommen
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Und würde ausgekehrt.«

193
Sie spricht: »Ich muß was müssen!«
194
Und herzt ihn um und um,
195
Und rief: »Freiheit im Küssen
196
Auch vor dem Publikum!«

197
Herr Heinz blieb der Geehrte
198
Vor Frauen und vor Welt,
199
Auch wenn es Manchen störte,
200
Daß er so gut gefällt.

201
Und heute sitzt Frau Fanny
202
Am Sarge hier im Haus,
203
Und weint sich, wie noch gar nie,
204
Die schönen Augen aus.

205
Man kann den schwer vergessen,
206
Den öffentlich man küßt.
207
Erst dann hast Du besessen,
208
Wenn man Dir neidisch ist.

209
»auch ich«, sprach jetzt die Amme
210
»will mal Kaffee einschenken.
211
Wahr ist's: kein Mensch verdamme!
212
Das Leben gibt zu denken.« –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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