[und Montags bin ich aufgewacht]

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Max Dauthendey: [und Montags bin ich aufgewacht] (1892)

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Und Montags bin ich aufgewacht,
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Mein Zimmer hat ganz laut gelacht.

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Sah, daß ich schwarz im Gehrock steckte,
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Als wär's ein Sarg, mich darin streckte,

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Im Knopfloch einen Stiel der Rose,
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Und Schaumweinflecken auf der Hose.

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Verlobung war gefeiert worden,
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Deshalb am Leib die Schaumweinorden.

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Als P.T.s bester Kamerad
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Mußte ich kommen ohne Gnad',

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Die Braut sagte in aller Huld,
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Ich sei an der Verlobung schuld.

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O Kaspar Melchior Balthasar,
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Und überlebst du tausend Jahr,

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Den Stuhl, den wirst du nie vergessen,
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Auf dem du heute festgegessen!

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Wie hast du seine Bein' gedrückt,
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Wenn dich die Träne tief gezwickt.

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Doch lächelnd hast du dich gehalten,
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Du machtest nur Serviettenfalten.

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Und jetzt ersah ich meine Finger:
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Wer waren diese schwarzen Dinger,

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Wie schwarze Würstlein anzusehn?
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Schon wieder war etwas geschehn:

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Ein Aschenregen in den Zimmern,
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Ein Taschentuch verkohlt, in Trümmern.

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Und alles um mich sprach es klar,
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In diesen Zimmern Feuer war.

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Denn gleich nach dem Verlobungsessen,
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Wo ich im Folterstuhl gesessen,

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Bin ich bei Nacht nach Haus gerannt
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Und hab' mein Zimmer angebrannt.

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Denn diese Ruh', die ich erzwungen,
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Sie hat zum Schluß darauf gedrungen,

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Es mußte irgendwas geschehn,
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Blut mußt' ich oder Feuer sehn.

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Man kann nicht immer Wasser flennen,
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Manch Schmerz will durch den Schornstein rennen.

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Warf mich im Sofa in die Kissen
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Und hab' mit Zähnen sie zerrissen,

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Hielt meine Finger in das Licht:
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Sie wurden schwarz, ich spürt' es nicht;

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Ließ Taschentuch, Manschetten braten,
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Weil Flammen wohl den Augen taten;

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Fiel auf dem Fleck in tiefen Schlaf,
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Wo mich ein neues Elend traf.

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Wohl schlug ich mir Frau Königin
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Am hellen Tag aus meinem Sinn,

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Doch nachts im süßen Schlafgefilde
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Schlich sie sich ein als Traumgebilde.

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Diesmal kam sie als kleine Katz'
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Und nahm mir meinen Sofaplatz,

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Ich kraute und liebkoste sie,
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Indes sie Zetermordio schrie,

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Doch ich verstand nicht ihr Geschrei;
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Da hört' ich Stimmen nebenbei,

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Die sagten: »Kätzchen ist ja krank!«
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Ich ging zu einem Wäscheschrank,

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Legt' Handtücher um meine Katz',
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Doch sie entschlüpft mit einem Satz,

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Sie wendet ihr Gesicht mir hin:
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Der Kopf war's der Frau Königin.

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Ein Menschenkopf am Katzenleib,
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Und dieses war mein Lieblingsweib!

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Draußen mit hochgehobenen Schweifen
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Sah Kater ich ums Fenster streifen;

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Schmerzlich tat sich das Kätzchen recken
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Und tot die viere von sich strecken.

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Da ward mein Herz ein kahler Fleck,
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Die ganze Welt lag mir im Dreck,

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Im dunkeln Hof auf Pflastersteinen
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Saß ich und mußte bitter weinen.

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Ich wachte auf, erkenn' den Traum;
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Auch dieses tröstete mich kaum.

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Ich mußte es mir eingestehn:
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Unheimliches wird noch geschehn.

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Jetzt, Balzer, schnür' den Kofferriemen,
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Sonst mußt du hier noch weitermimen.

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Man soll sich nicht ans Unglück binden,
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Du mußt dich schnell ins Reisen finden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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