Wohin hat mich ein Traum gebracht?

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Max Dauthendey: Wohin hat mich ein Traum gebracht? Titel entspricht 1. Vers(1892)

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Wohin hat mich ein Traum gebracht?
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Weihnachten nennt ihr diese Nacht!
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Ölpalmen stehen aufgeschlagen
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Wie Säulen, die die Sterne tragen.
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Und Wärme kommt aus jedem Baum
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Der Mond hängt blumenhaft im Raum.
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Die Luft durchbebt von Blütengasen,
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Mein Fuß geht hin auf weichem Rasen.
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Und wie ein Geist, dem Schwere fehlt,
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Bestaunt mein Herz die Tropenwelt.

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Die Orchideen dunkel liegen,
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Umkreist von blanken Feuerfliegen.
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Ich taste hin durch diese Nacht,
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Vom Heer der Grillen laut bewacht.
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Ich suche, kann mich selbst nicht finden
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In dieser Weihenacht, der linden.
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Ein Laut aus weiter Stille kam.
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Mir zittern plötzlich Trotz und Gram.
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Es fiel dort hinterm letzten Sterne
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Schlag oder Schuß aus klarer Ferne, –
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Es krachte nur ein Palmenblatt,
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Das morsch zur Erde stürzen tat.

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Ich aber höre mehr und schaue
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Auf Felder hin, verschneite, rauhe,
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Auf weiße Wege, eisig glatt.
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Der Mond, umraucht, scheint hier nur matt,
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Und große schwarze Flecken breiten
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Im Schneefeld sich, im himmelweiten.
29
Das Blut der Brüder heiß hier floß.
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Ein Sterbender liegt mir im Schoß.
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Er haucht: »Ich melde mich zur Stelle,
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Herr Leutnant!« – Und Todeshelle
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Tritt auf die Stirn. Sein Aug' erstarrt.
34
Sein Blick wird wie das Eisfeld hart.

35
Es ist nur Einer von den Tausend!
36
Mein Blut schlägt mir zur Schläfe brausend.
37
Ich fühl' die Weihenacht vollendet,
38
Da so voll Pflicht ein Deutscher endet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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