Mein Herz als Mond verkleidet

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Max Dauthendey: Mein Herz als Mond verkleidet (1892)

1
Rühr' im Schlaf an deine Wangen,
2
Hangen Tropfen an den Kissen,
3
Du und ich allein nur wissen:
4
Unser Sehnen hat vereint
5
Heiß sich in den Schlaf geweint.

6
Ach, mein Herz wie's liebt und leidet!
7
Spür es leis als Mond verkleidet
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Weiß an deiner Tür.

9
Sehnsucht muß mit hellen Händen
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Noch im Schlaf dein Zimmer blenden,
11
Und die blanken Scheiben schicken
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Blicke, die tags dunkel bleiben;
13
Wo sie ungesehen fielen,
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Steigen Lichter aus den Dielen.

15
Schweigen müssen Uhr und Zeit,
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Sehnsucht spielt auf blauen Geigen,
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Und wie einst auf Märzenauen
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Werden Balken in den Räumen
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Wieder kühn zu Knospenbäumen.
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Und auch taut im Mond wie Eis
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Lautlos deines Spiegels Glas,
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Will mir Heimlichkeiten zeigen,
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Die der Spiegel nie vergaß,
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Er, der zärtliche Vertraute,
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Der nur lebt von deinen Augen
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Und in deine Sehnsucht schaute.

27
Dicht an deinen weißen Wangen
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Will ich deinen Atem fangen.
29
Was die Scham mir nicht gestand,
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Küß ich aus dem Schlaf der kleinen, zagen, zahmen Hand.

31
Rötet Morgen sich im Land,
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Auf dem roten Dach der Welt
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Tötet sich der Mond gelassen;
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Und wer ahnt in lauten Gassen,
35
Daß, wo Sehnsucht hingestellt,
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Sich noch nachts das Pflaster hellt,
37
Und mein Herz, als Mond verkleidet,
38
Nächtlich blinde Wünsche weidet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

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