[allein in hoher Wohnung lebte ich mit meiner Laute]

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Max Dauthendey: [allein in hoher Wohnung lebte ich mit meiner Laute] (1892)

1
Allein in hoher Wohnung lebte ich mit meiner Laute,
2
Und wie die freien Töne trug ich frei mein Haupt.

3
Ein kühler Abend war im kühlen Haus,
4
Sehr fern vom Erdreich lagen meine Räume,
5
Ich spielte selbstzufrieden meine Laute
6
Und wußte, daß es keine Menschen gab.
7
Ich ging durch meine Zimmer, lauschte auf mein Lied,
8
Und meine Lieder sprachen stets von mir.
9
Es klopfte an die Scheiben meiner Tür,
10
Ich wußte: vor der Flurtür stand ein Mensch,
11
Als Freund klopfte der letzte Mensch an meine Tür.
12
Es klopfte heftig wieder, und es rief.
13
Ich öffne nicht, mein Lautenlied sprach eben sehr befriedigend von mir.
14
Am Türglas sehe ich des Freundes Hand.
15
Ich öffne, endlich, steht ein Dunkel groß vor mir.
16
Weit von mir eine Stimme, die zur Erde fällt.
17
Ich biege mich zur Treppe, lausche tief,
18
Im Hause unten sinkt es in den Stein.
19
Vom tiefsten Grundstein ruft es meinen Namen noch.
20
Dann bleibt es leer. Die Angst scheint rot aus mir.
21
Ein Dunkel wird zu einem lauten Seufzen,
22
Sehr qualvoll, weltverlassen, seufzt es auch in mir.
23
Meine Laute finde ich nicht mehr,
24
Die Zimmer schwinden finster, finster Flur und Tür,
25
Das Dunkel tritt auf alle Schwellen, drängt,
26
Um mich brennt rot die Angst als letzter Schein,
27
Ich seufze körperlos und weiß es unabänderlich:
28
So soll ich seufzen müssen eine Ewigkeit,
29
Nie mehr ist Welt, und nie ein Körper mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Max Dauthendey
(18671918)

* 25.07.1867 in Würzburg, † 29.08.1918 in Malang auf Java

männlich, geb. Dauthendey

deutscher Dichter und Maler

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.