Das Wetter mancher Schlacht

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Ernst Stadler: Das Wetter mancher Schlacht Titel entspricht 1. Vers(1898)

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Das Wetter mancher Schlacht
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hat um unsre Nasen gepfiffen,
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Wir haben die Säbel zum Stoß
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für manchen Feindesnacken geschliffen
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Und unser Blut auf kochen hören,
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wenn Hieb und Kugelmusik uns umsausten.
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Dann waren Nächte,
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die wir friedsamer durchbrausten,
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Im Feldlager, wenn die Becher überliefen,
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Kessel schmorten und die Würfel rollten –
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Das waren Stunden, die wir für alle Seligkeit Mariae
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nicht tauschen wollten.
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Der Rauch von Höfen und Dörfern
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hat in unsern Augen gehangen,
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Um manchen Galgen sind wir
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behutsam herumgegangen.
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Oft hat uns der Tod
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schon an der Gurgel gesessen,
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Dann haben wir uns geschüttelt,
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unsern Schimmel vorgezogen und sind aufgesessen.
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Wir sind in allen Ländern herumgefahren,
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blutige Kesseltreiber,
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Frankreich lehrte uns die Wollust feiner Betten
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und das weiße Fleisch der Weiber –
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Aber immer mußte Leben überschäumen,
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um sich zu fühlen,
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Und keine Schlacht und keine Umarmung
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wollte den Brand in unserm Leibe kühlen.
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Nun rinnt das Blut gemacher
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in den Adern innen,
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Mein Herz läuft durch die alten Bilder nur,
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um sich zur Einkehr zu besinnen.
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Vor meinem Fenster die grünen Schwarzwaldtannen
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rauschen, als wollten sie von neuen Fahrten sprechen.
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Die Holzplanken meiner Hütte krachen in den
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Novemberstürmen und drohen in Stücke zu brechen –
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Aber ich sitze in Frieden, unbewegt,
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so wie in Engelsrüstung eingeschlossen.
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Nicht Reue und nicht Sehnsucht sollen mir schmälern,
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was einst
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Um mich her, auf dem Tisch,
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sind meine lieben Bücher aufgebaut,
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Und mein Herz voll ruhiger Freude
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in den klaren Himmel hinüberschaut.
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Früher hab ich meinem Gott gedient
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mit Hieb und Narben so wie heute mit Gebeten,
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Ich brauche nicht zu zittern, wenn er einst mich ruft,
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vor seinen Stuhl zu treten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Stadler
(18831914)

* 11.08.1883 in Colmar, † 30.10.1914 in Ypern

männlich, geb. Stadler

elsässischer Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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