Farbe prallt in Farbe wie die Strahlen von Fontänen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Stadler: Farbe prallt in Farbe wie die Strahlen von Fontänen Titel entspricht 1. Vers(1898)

1
Farbe prallt in Farbe wie die Strahlen von Fontänen,
2
die ihr Feuer ineinanderschießen,
3
Im Geflitter hochgeraffter Röcke
4
und dem Bausch der bunten Sommerblusen.
5
Rings von allen Wänden, hundertfältig
6
Ausgeteilt, strömt Licht.
7
Die Flammen, die sich zuckend in den Wirbel gießen,
8
Stehen, höher, eingesammelt,
9
in den goldgefaßten Spiegeln, fremd und hinterhältig,
10
Wie erstarrt und Regung doch in grenzenlose Tiefen
11
weiterleitend, Leben, abgelöst und fern
12
und wieder eins und einig mit den Paaren,
13
Die im Bann der immer gleichen Melodien,
14
engverschmiegt, mit losgelassnen Gliedern schreitend,
15
Durcheinanderquirlen: Frauen, die geschminkten
16
Wangen rot behaucht, mit halb gelösten Haaren,
17
Taumelnd, nur die Augen ganz im Grund ein
18
wenig matt, die in das Dunkel leerer Stunden laden,
19
Während ihre Körper sich im Takt
20
unkeuscher Gesten ineinanderneigen,
21
Ernsthaft und voll Andacht:
22
und sie tanzen, gläubig blickend, die Balladen
23
Müd gebrannter Herzen, lüstern und verspielt,
24
und vom Geplärr der Geigen
25
Wie von einer zähen lauen Flut umschwemmt.
26
Zuweilen kreischt ein Schrei.
27
Ein Lachen gellt. Die Schwebe,
28
In der die Paare, unsichtbar gehalten,
29
schaukeln, schwankt.
30
Doch immer, wie in traumhaft irrem Schwung
31
Schnurrt der Rhythmus weiter
32
durch den überhitzten Saal ...
33
Daß nur kein Windzug jetzt
34
die roten Samtportieren hebe,
35
Hinter denen schon der Morgen wartet,
36
grau, hager, fahl ...
37
bereit, in kaltem Sprung,
38
Die Brüstung übergreifend, ins Parkett zu gleiten,
39
daß die heißgetanzten Reihen jählings stocken,
40
Traum und Tanz zerbricht,
41
Und während noch die Walzerweise
42
sinnlos leiernd weitertönt,
43
Tag einströmt und die dicke Luft von Schweiß,
44
Parfum und umgegossnem Wein zerreißt,
45
und durch das harte Licht,
46
Fernher rollend, ehern, stark und klar,
47
das Arbeitslied der großen Stadt
48
durch plötzlich aufgerissene Fenster dröhnt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Stadler
(18831914)

* 11.08.1883 in Colmar, † 30.10.1914 in Ypern

männlich, geb. Stadler

elsässischer Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.