Und einmal dann: In einer Sommersternennacht

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Ernst Stadler: Und einmal dann: In einer Sommersternennacht Titel entspricht 1. Vers(1898)

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Und einmal dann: In einer Sommersternennacht
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wenn alles Leben wie gelöst
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in sammetweiche Schwermut liegt
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und überm Forst noch der sprühende Goldschein hängt
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zitternd wie blaß aufglimmernde Gewebe
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und zart wie Flaum: Dann wird ein langer Ruf
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aus Traum und Schlummer ladend uns erlösen.

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Dann ziehen wir indes der Feuerschein
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sich dichter um uns schließt in dunklen Haufen
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die Stirn mit Laub gegürtet über Schollen
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sprossender Äcker in das sinkende Licht.

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Uns reißt des wilden Lebens jähe süße
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betörend lockende Zigeunerweise
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in Nacht und Duft. Schon glänzt aus letzter Glut
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die über der erloschnen Haide funkelt
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das große Ziel. Schon schlingen sich die Reihn
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vom Takt gefügt. Schon stürmen jauchzend
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die Vordersten in losgelassnem Tanz
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und eine Kette wirrer heißer Stimmen wälzt
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der Jubel schwer sich durch die Massen. Fackeln spritzen
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flackernde Flecken auf die schwarze Wand der Äste.
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Auftaumelnd stürzen Schatten. Mädchen schwenken
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flitternde Birkenbüschel Frauen lösen
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die raschelnden Gewande tanzen nackt
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vom Diadem der Haare überströmt
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ins Licht und ihre heißen Augen schillern
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unstät wie Feuerglanz auf Abendlachen.
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Und wilder gleißt das tolle süße Lied.
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Und wilder rast und stürmt der heiße Tanz.
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Und Wunder steigen auf wie Herbstnachtnebel.
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Schon rollt das große Leben wie ein Meer
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das gischtend gegen nackte Felsen bäumt
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von bräunlich goldner Dämmerung umloht.
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Schon reißt's uns über schaumgezackte Kämme
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zu Inseln weiß mit Goldglanz übersprengt
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Altäre wachsen blendend aus Girlanden
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Festglocken dröhnen Farben schießen auf
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und trunken betend sinken wir ins Licht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ernst Stadler
(18831914)

* 11.08.1883 in Colmar, † 30.10.1914 in Ypern

männlich, geb. Stadler

elsässischer Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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