Dann glitt in leisem Schmuck geblümter Wiesen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ernst Stadler: Dann glitt in leisem Schmuck geblümter Wiesen Titel entspricht 1. Vers(1898)

1
Dann glitt in leisem Schmuck geblümter Wiesen
2
der Frühling übers Land rieselnd von Sonne
3
und schwer vom Sehnen früher Sternennächte.

4
Ein Abend kam gehüllt in weiches Licht
5
beperlter Büsche. Matter Frühlingsregen
6
war sanft verronnen in den braunen Dämmer
7
der hinter den Zypressenstämmen aufglomm.
8
Ich stand an dem Magnolienstrauch und sog
9
den starken Duft und schmiegte meine Lippen
10
tief in den warmen feuchten Flaum der Blüten.
11
Er kam von hinten. Faßte mich am Arm. Ich schrak
12
zusammen. Doch er war so schön
13
wie er so dastand mit den hellen Augen
14
und ganz bestrahlt von Lust und Glanz der Blüten.

15
Wir gingen durch die leise laue Nacht.
16
Und wie der fernen Brunnen Silberton
17
fast nur aufbebte wie ein dunkler Zweig
18
vom liebetrunknen Nachtwind angerührt
19
und hie und da ein schwacher Laut der Lust
20
die Nacht durchwehte starben unsre Worte
21
und schweigend gingen wir und lauschten nur
22
gedämpftem Knirschen der zerknickten Halme
23
und wie vom buschigen Geäst gescheucht
24
ein großer Vogel rauschend uns umstrich
25
und gingen hin und fanden nicht ein Wort
26
zu sagen was in dieser Nacht erwuchs
27
und heller strahlte als der heiße Glanz
28
der von erglühten Rosenbüschen fließt.
29
Das ist nun alles lang vorbei. Und war
30
so süß doch. Wenn von dunklem Sims ich leicht
31
mich niederschwang und atmend stand und dann
32
so hinlief und die warme Nachtluft mich
33
zitternd umspülte an gefüllten Beeten
34
vorbei und goldnen Brunnen durch den Glanz
35
der hellen Wiese zum Granatbaum der
36
mit Purpurarmen uns umgitterte –
37
Leuchtend wie schwere goldne Ampeln hingen
38
die Äpfel. Und in seiner Krone sangen
39
zwei Nachtigallen. Leise zog ihr Lied
40
durch fernster Gärten atemloses Dunkel
41
und wie verzaubert. Wenn ich so allein
42
unter den Ästen stand dann sickerte
43
wie Blütentau der Wohllaut auf mich nieder
44
und kürzte mir die langen heißen Stunden
45
denn manchmal kam er spät. Und durch die Büsche
46
wehte ein fremder Schauer der mich schreckte.

47
Und einmal als die Sommernacht wie Gold
48
zwischen den Zweigen hing und alle Blumen
49
wie Flammen in den roten Vollmond glühten
50
hob er mich auf und trug mich hin ich schlang
51
den Arm um seinen Nacken wie im Rausch
52
den schmalen Heckenweg der wie aus Silber
53
gesponnen glitzerte die kühlen Stufen
54
hinab zum Brunnenbecken. Seltsam blitzte
55
die blanke Flut und dunkle Zweige hingen
56
wie ein Geriesel weicher wirrer Strähnen
57
zum feuchten Spiegel. Schauernd überrannen
58
die blassen Wellen meine Brüste und
59
das selige Zittern seiner heißen Hände.
60
Und plötzlich riß er mich empor. Wild jauchzend
61
trug er mich fort. Taumelnd vor Schreck und Glück
62
lag ich in seinem Arm. Die kühlen Tropfen
63
funkelten noch wie flimmerndes Geschmeide
64
um meinen Leib. Und zwischen Rosen
65
trug er mich bebend hin und zwischen Rosen
66
ertrank ich und versank im Duft der Nacht. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ernst Stadler
(18831914)

* 11.08.1883 in Colmar, † 30.10.1914 in Ypern

männlich, geb. Stadler

elsässischer Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.