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Ein Abend kam gehüllt in weiches Licht
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beperlter Büsche. Matter Frühlingsregen
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war sanft verronnen in den braunen Dämmer
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der hinter den Zypressenstämmen aufglomm.
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Ich stand an dem Magnolienstrauch und sog
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den starken Duft und schmiegte meine Lippen
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tief in den warmen feuchten Flaum der Blüten.
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Er kam von hinten. Faßte mich am Arm. Ich schrak
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zusammen. Doch er war so schön
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wie er so dastand mit den hellen Augen
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und ganz bestrahlt von Lust und Glanz der Blüten.
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Wir gingen durch die leise laue Nacht.
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Und wie der fernen Brunnen Silberton
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fast nur aufbebte wie ein dunkler Zweig
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vom liebetrunknen Nachtwind angerührt
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und hie und da ein schwacher Laut der Lust
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die Nacht durchwehte starben unsre Worte
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und schweigend gingen wir und lauschten nur
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gedämpftem Knirschen der zerknickten Halme
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und wie vom buschigen Geäst gescheucht
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ein großer Vogel rauschend uns umstrich
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und gingen hin und fanden nicht ein Wort
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zu sagen was in dieser Nacht erwuchs
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und heller strahlte als der heiße Glanz
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der von erglühten Rosenbüschen fließt.
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Das ist nun alles lang vorbei. Und war
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so süß doch. Wenn von dunklem Sims ich leicht
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mich niederschwang und atmend stand und dann
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so hinlief und die warme Nachtluft mich
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zitternd umspülte an gefüllten Beeten
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vorbei und goldnen Brunnen durch den Glanz
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der hellen Wiese zum Granatbaum der
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mit Purpurarmen uns umgitterte –
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Leuchtend wie schwere goldne Ampeln hingen
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die Äpfel. Und in seiner Krone sangen
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zwei Nachtigallen. Leise zog ihr Lied
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durch fernster Gärten atemloses Dunkel
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und wie verzaubert. Wenn ich so allein
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unter den Ästen stand dann sickerte
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wie Blütentau der Wohllaut auf mich nieder
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und kürzte mir die langen heißen Stunden
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denn manchmal kam er spät. Und durch die Büsche
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wehte ein fremder Schauer der mich schreckte.
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Und einmal als die Sommernacht wie Gold
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zwischen den Zweigen hing und alle Blumen
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wie Flammen in den roten Vollmond glühten
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hob er mich auf und trug mich hin ich schlang
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den Arm um seinen Nacken wie im Rausch
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den schmalen Heckenweg der wie aus Silber
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gesponnen glitzerte die kühlen Stufen
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hinab zum Brunnenbecken. Seltsam blitzte
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die blanke Flut und dunkle Zweige hingen
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wie ein Geriesel weicher wirrer Strähnen
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zum feuchten Spiegel. Schauernd überrannen
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die blassen Wellen meine Brüste und
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das selige Zittern seiner heißen Hände.
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Und plötzlich riß er mich empor. Wild jauchzend
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trug er mich fort. Taumelnd vor Schreck und Glück
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lag ich in seinem Arm. Die kühlen Tropfen
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funkelten noch wie flimmerndes Geschmeide
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um meinen Leib. Und zwischen Rosen
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trug er mich bebend hin und zwischen Rosen
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ertrank ich und versank im Duft der Nacht. –