Und strahlend unter goldnem Baldachin

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Ernst Stadler: Und strahlend unter goldnem Baldachin Titel entspricht 1. Vers(1898)

1
Und strahlend unter goldnem Baldachin
2
um starre Wipfel funkelnd hingebreitet
3
und Kronen tragend gehn wir hin
4
und flüsternd gleitet
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dein süßer Tritt gedämpft im bunten Laub.
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Aus wilden schwanken lachenden Girlanden
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rieselt's wie goldner Staub
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und webt sich fließend ein in den Gewanden
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und heftet wie Juwelen schwer
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sich dir ins Haar und jagt vom Licht gehetzt
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in grellen Wirbeln vor uns her
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und sinkt aufstiebend in das wirre Meer
13
kräuselnder Blätter die vom Abendduft genetzt
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wie goldgewirkte Teppiche sich spannen ...

15
Nun lischt im fernsten Feld der letzte Laut.
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Vom Feuer leis umglüht ragen die Tannen.
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Ein feiner dünner Nebel staut
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und schlingt sich bäumend um zermürbte Reiser
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und irgendwo zerfällt ein irres Rufen.

20
Und deiner Schleppe Goldsaum knistert leiser
21
und atmend steigen wir auf steilen Stufen.
22
Weit wächst das Land von Schatten feucht umballt.
23
Drohend aus Nebeln reckt sich Baum an Baum.
24
Und schwarz umfängt uns schon der große Wald.
25
Und dunkel trägt uns schon der große Traum.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Ernst Stadler
(18831914)

* 11.08.1883 in Colmar, † 30.10.1914 in Ypern

männlich, geb. Stadler

elsässischer Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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