Wie drückend schwül der Sterbepfühl!

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Bruno Wille: Wie drückend schwül der Sterbepfühl! Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Wie drückend schwül der Sterbepfühl!
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Es muß geschieden sein ...
3
O Sommernacht, ach flüstre nicht
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So lockend süß herein!
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Ihr Düfte blühender Linden,
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Wie muß ich bitter empfinden,
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Was ich versäumt!

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Weh mir! Auf meiner Wiese
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Viel tausend Blumen lohten,
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Die alle heimlich schmachtend mir
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Den Kelch der Liebe boten.
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Ich hab ihn nicht genossen!
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Ich wähnte, streng verschlossen
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Sei jeder Kelch.

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Und in mir glomm es jugendstark;
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Hätt ich vertraut der Glut,
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Die Sterne konnt ich keltern
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Und zechen ihr heilig Blut.
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Doch zwischen öden Wänden
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Hielt ich in darbenden Händen
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Das bleiche Haupt.

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Ich wühlte tief nach einem Schatz.
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Da tappte meine Hacke
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Vorbei an Goldes Adern
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Und biß sich fest in Schlacke.
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Am Ende bin ich worden
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Vom Eremitenorden
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Ein trüber Gast.

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O Sehnsucht, die in junger Brust
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Ich Tor ließ ungestillt,
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Wie loderst du im siechen
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Geblüte nun so wild!
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Wohlan, du magst im Sterben
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Um Liebeslust noch werben
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Mit heißem Kuß.

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Hinaus zum Garten! Schüchtern lock
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Der Haubenlerche Schlag.
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Mit rosa Knospen tastet
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Aus Wolkengrau der Tag.
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Ein Wollustschauer wittert
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Um Busch und Baum/ und zittert
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Durch meinen Leib.

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Und feierlich vom Leibe
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Streif ich das düstre Kleid.
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O kühles Bett im Blumenklee,
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Wo Perlentau mich weiht!
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Voll Inbrunst beug ich Rosen
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Vom Hag herab zum Rosen
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An mein Gesicht.

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Horch, Harfenjubel! Strahlend wallt
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Die Sonnenkönigin
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Zum Blumenbett/ und neigt sich
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Umfangend zu mir hin.
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An ihren Busen flutet
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Mein Sehnen und verblutet
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Im Hochzeitskuß ...

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Ja sauge meinen Odem
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In deinen Flammenschwall!
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Laß mich, ein Tropfen Sonnenblut,
60
Wild pulsen durch das All!
61
Heil mir! In alle Wonnen
62
Versäumter Jugendbronnen
63
Mein Schwelgen taucht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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