Gewölk hat umgebracht

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Bruno Wille: Gewölk hat umgebracht Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Gewölk hat umgebracht
2
Den letzten Sternenfunken;
3
In rabenschwarze Nacht
4
Ist Fels und Tann versunken.

5
Ich bin ein Erlenstumpf,
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Dran bleicher Moder glimmert,
7
Ein gärend fauler Sumpf,
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Wo scheu das Irrlicht flimmert.

9
Unheimlich düstre Welt,
10
Du Tummelplatz für Toren!
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Bin gänzlich unbestellt
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In dich hineingeboren.

13
Sag an, was hast du für
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Mit deinem bangen Kinde?
15
Und hast du keine Tür,
16
Wo ich den Ausgang finde?

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Gewölk hat umgebracht
18
Den letzten Sternenfunken;
19
In rabenschwarze Nacht
20
Ist Fels und Tann versunken.

21
Mein Leben schäumend rann,
22
Ein Sturzbach zwischen Steinen.
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Was ich dabei gewann?
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O bitter möcht ich weinen!

25
Einst ward ich schmuck und neu
26
Als Menschlein eingekleidet.
27
Doch alles Fleisch ist Heu,
28
Und horch, die Sense schneidet.

29
Ach wohl, die Jugend reicht
30
Den süßen Taumelbecher.
31
Doch Rausch und Minne weicht,
32
Und Reue weckt den Zecher.

33
Um jeden Bissen Brot
34
Muß hart der Froner schanzen;
35
Sonst hockt die hagre Not
36
Auf seinem leeren Ranzen.

37
Mach dich nicht gar zu breit,
38
Du Herr im güldnen Hause!
39
Ohn End ist Ewigkeit,
40
Und schmal die letzte Klause.

41
Poch nicht auf Ehr und Zier!
42
Fortuna hat's geliehen.
43
Der Hobler wird auch dir
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Ein Linnenkleid anziehen,

45
Zum Pfühle untern Kopf
46
Zwei Handvoll Spähne schieben ...
47
Nun denke nach, du Tropf,
48
Wie närrisch du's getrieben!

49
Gewölk hat umgebracht
50
Den letzten Sternenfunken;
51
In rabenschwarze Nacht
52
Ist Fels und Tann versunken.

53
Und wie ich ratlos bang
54
Ins dunkle Rätsel staune,
55
Horch, sanfter Wiegensang,
56
Ein wogend Waldgeraune:

57
»nur stille, Menschenkind!
58
Was helfen deine Sorgen?
59
Die Augen schließe lind!
60
Derweilen wächst das Morgen.«

61
Die Nacht hat ihren Tau,
62
Auf daß der Maien blühe,
63
Und aus dem Wolkengrau
64
Entsprießt die Purpurfrühe.

65
Soll nicht der Sagenstein,
66
Wo wüste Tannen dunkeln,
67
Ein Königspalas sein
68
Und einst entzaubert funkeln?

69
Zuvor im Puppenkleid,
70
Will diese trübe Erden
71
Am Glanz der Ewigkeit
72
Ein Himmelsfalter werden.

73
Und ob die Wolke hüllt
74
Den letzten Sternenfunken,
75
Dein Traum wird noch erfüllt:
76
Du schaust/ von Sternen trunken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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