Sonnenbraut

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Bruno Wille: Sonnenbraut (1894)

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Ein Wandrer tappt in Nacht und Dünsten;
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Wonach er suchte, wußt er nicht.
3
Da hat verlockt mit Gaukelkünsten
4
Zu Sümpfen ihn ein Flackerlicht.
5
Er taumelte hinein und hielt den Rausch der Sinne
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Für benedeite Minne.

7
Und falsche Schätze sah er strahlen,
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War allen Leibeslüsten hold;
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Vernahm mit Gier der Großen Prahlen
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Und griff nach Purpur, Lorbeer, Gold.
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Er rang und raufte drum im wirren Fiebertraum,
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Doch seine Hand griff Schaum.

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Wach auf, Genarrter! Herold Morgen
14
Macht alle Nachtgespenster fliehn.
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Von Bergeseinsamkeit geborgen,
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Im heilgen Lichtstrom darfst du knien.
17
Gib hin die dumpfe Stirn! Der rote Sonnenmund
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Küßt dich von Schuld gesund.

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In Weiheschauern wird nach oben
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Zur spät gefundnen Sonnenbraut
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Der Freier auf den Thron gehoben
22
Und Herz dem Herzen angetraut.
23
Ihr Auge gibt den Kelch der Ewigkeit zu trinken.
24
O seliges Versinken!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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