Arme Leute

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Bruno Wille: Arme Leute (1894)

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Bei düstern Heidekiefern
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Stehn spärlich magre Ähren,
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Sie saugen an dürrem Sande,
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Verzweifelnd, sich zu nähren.

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Da kauert ein lehmig Häuschen
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Mit Düngerhaufen und Karren.
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Kläglich meckert die Ziege,
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Und struppige Hühnchen scharren.

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Aus der Türe humpelt ein krummer
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Kleinbauer, emporzuspähen
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Zur bleiern schleichenden Wolke,
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Zu hungrig krächzenden Krähen.

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Nur karge Mitleidszähren
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Vermag die Wolke zu schenken;
15
Dann schleicht sie trübe weiter,
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Ohne Kraft, zu tränken.

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Selber arm und traurig,
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Folg ich der weinenden Wolke
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Und denk an arme Leute
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Und leide mit meinem Volke.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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