Die Ferne

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Bruno Wille: Die Ferne (1894)

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Zur Fernesucht geboren,
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Wird nie der Pilgram froh.
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Seine Heimat ging verloren,
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Er weiß nicht wo.

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Ihn rührt ein stummes Mahnen
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Von blauer Berge Wand.
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Darf er dahinter ahnen
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Sein Wunderland?

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Im Tale Bauden winken,
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Zum Dorfe traut gereiht.
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Er aber muß versinken
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In Einsamkeit.

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Er haust auf Bergesklippen
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In dumpfer Schwermut Bann,
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Umstarrt von Knieholz-Rippen
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Und wüstem Tann.

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Verworren träumt im Grunde
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Des Mühlenrads Gesumm.
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Er lauscht mit zuckendem Munde,
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Sein Lied bleibt stumm.

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Er schmachtet, wie im Staube
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Ein welkes Blumenhaupt.
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Doch ward sein frommer Glaube
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Ihm nicht geraubt.

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O Pilgram, du mußt lernen
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In Demut abseits stahn,
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Du darfst den blauen Fernen
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Nie täppisch nahn.

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Wenn ungestüme Minne
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Dich riß zum Götterweib,
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Umarmten deine Sinne
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Nur Menschenleib.

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So bleib dem Wunderlande
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In keuscher Andacht hold.
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Dann spülst du aus dem Sande
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Das ewige Gold.

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Es sammelt alle Zähren
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Die treue Ewigkeit.
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Sie sollen sich verklären
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Zum Krongeschmeid.

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O sieh, ein Fenster glühet
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Im roten Abendglast!
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Das Baudenhaus erblühet
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Zum Goldpalast.

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Die Felsenschatten dehnen
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Sich weit ins Talgefild.
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So wird wohl manches Sehnen
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Noch spät gestillt.

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Erst wenn im großen Dunkel
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Versank die wirre Welt,
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Erblüht das Trostgefunkel
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Am Sternenzelt.

53
Und birgt sich in der Erden
54
Ratlos dein Angesicht,
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Tief innen soll es werden
56
Auf einmal Licht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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