Es wogt die laue Sommerluft

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Bruno Wille: Es wogt die laue Sommerluft Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Es wogt die laue Sommerluft.
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Wacholderbüsche, Brombeerranken
3
Und Adlerfarren nicken, wanken.
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Die struppigen Kiefernhäupter schwanken;
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Rehbraune Äste knarren.
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Von ihren zarten, schlanken,
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Lichtgrünen Schossen stäubt
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Der harzige Duft,
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Und die weiche Luft
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Wallt hin wie betäubt.

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Auf einmal tut sich lächelnd auf
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Die freie sonnige Welt:
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Weithin blendendes Himmelblau;
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Weithin heitre Wolken zu Hauf;
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Weithin wogendes Ährenfeld
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Und grüne grüne Auen ...
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Hier an Kiefernwaldes Saum
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Will ich weilen, will ich schauen/
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Unter zartem Akazienbaum,
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Der vom muntern Wind gerüttelt
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Süße Blütentrauben schüttelt.

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O Roggenhalme hin und her gebogen!
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Wie sanft sie flüstern, wie sie endlos wogen
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Zu blau verschwommenen Fernen!
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Schon neigen sich und kernen
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Viel Häupter silbergrün.
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Andre blühn,
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Duftend wie frisches Brot.
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Dazwischen glühn
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Mohnblumen flammenrot
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Bei dunkelblauen Cyanen ...

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Und droben wallen
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Durch lichtes Blau
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Wolkenballen,
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Gebirgen gleich,
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Halb golden und halb grau.
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Frau Sonne spreitet
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Den Strahlenfächer von Silberseide
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Zur Erde nieder;
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Dann taucht sie wieder
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Aus schneeigem Wolkenkleide
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Blendende Glieder
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Und blitzt und sprüht
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Verklärend Goldgefunkel
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Auf Auen, wo lachend blüht
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Vergißmeinnicht und gelbe Ranunkel
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Und Sauerampfer ziegelrot ...

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O du sausender brausender Wogewind!
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Wie Freiheitsjubel, wie Orgelchor
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Umrauschest du mein durstig Ohr;
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Du kühlst mein Haupt, umspülst die Gewandung,
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Wie den Küstenfelsen die schäumende Brandung/
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O du sausender brausender Wogewind!
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Nun ebbest du, so weich, so lind/
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Ein Säuseln, Lispeln, Fächeln.
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Bestrickte dich ein Sonnenlächeln?
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Auch dein Gesäusel stirbt;
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Dann/ lauschige Stille.
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Nur noch die Grille
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Dengelt und zirpt
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Im Erlengebüsch, wo das Wässerlein träumt,
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Von Lilien gelb umsäumt.
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Ins Blaue weltverloren girrt
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Inbrünstig die Lerche/ schwirrt
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Taumlig vor Wonne
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Zu Wolken und Sonne
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Und girrt und girrt.

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Da wird mir leicht, so federleicht;
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Die dumpfig alte Beklemmung weicht.
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All meine Unrast, alle wirren
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Gedanken sind im Lerchengirren,
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Im süßen Jubelmeer ertrunken.
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Versunken
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Die Stadt mit Staub und wüstem Schwindel;
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Versunken
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Das Menschengesindel;
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Begraben der Unrat, tief versenkt
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Hinter blauendem Hügel,
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Dort wo hurtige Flügel
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Die emsige Mühle schwenkt ...

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Friede, Friede
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Im Lerchenliede,
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In Windeswogen,
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In Ährenwogen!
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Unendliche Ruhe
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Am umfassenden Himmelsbogen!

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Weißt du, sinnende Seele,
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Was selig macht?
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Unendliche Ruhe!
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Nun bist du aufgewacht
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Zu heitrer Weisheit.
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Gestern durchwühlte dein Herz ein Wurm,
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Und heute lacht
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Das freie Herz in den Sommersturm ...

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Friede, Friede
96
Im Lerchenliede,
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In Windeswogen,
98
In Ährenwogen!
99
Unendliche Ruhe
100
Am umfassenden Himmelsbogen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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