Gedenke mein, wenn Morgenrot die Tore

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Bruno Wille: Gedenke mein, wenn Morgenrot die Tore Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Gedenke mein, wenn Morgenrot die Tore
2
Zum Throngemach der Sonne leis erschließt;
3
Gedenke mein, wenn dir im Sternenflore
4
Die feierstille Nacht vorüberfließt;
5
Wenn bei der Freude Ruf die Pulse rascher fliegen,
6
Wenn Abendschatten dich in sanfte Träume wiegen.
7
O geh hinaus, zu lauschen,
8
Was Wälder heimlich rauschen:
9
Gedenke mein!

10
Gedenke mein, wenn das Gebot der Sterne
11
Aus diesem Arm dich unerbittlich wand;
12
Wenn mich das Heimweh in der kalten Ferne
13
Nach dir verzehrt, du einzig Heimatland.
14
Denk an mein Lebewohl, an unsre Zährenfluten;
15
Nicht Meere zwischen uns ersticken treue Gluten,
16
Und meines Herzens Schlagen
17
Soll zuckend noch dir sagen:
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Gedenke mein!

19
Gedenke mein, wenn in der Erdenkühle
20
Ich träumend ruh, und eine Blume sprießt
21
Einsam und zärtlich aus dem Rasenpfühle;
22
Du ahnest, was die Knospe keusch umschließt.
23
Dein Auge sieht mich nicht, doch soll geheimes Leben,
24
Ein treuer Schwestergeist, dem Blumenkelch entschweben
25
Und horch, in Nacht und Schweigen
26
Zu dir sich seufzend neigen:
27
Gedenke mein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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