Die Winterwolken tropften

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Bruno Wille: Die Winterwolken tropften Titel entspricht 1. Vers(1894)

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Die Winterwolken tropften,
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Auf Gräbern lag der Schnee.
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Zween heiße Herzen klopften,
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Ihr Scheiden tat so weh.

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»und wirst du mir genommen,
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Du bittersüßer Knabe,
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Einst sollst du wiederkommen,
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Daß ich dich ewig habe.«

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Der Knabe hub die Augen,
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Vielherbe zuckt sein Mund:
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»du hoffest noch, wir taugen
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Zu einem Erdenbund?

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Mag sein, es wird gefreiet,
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Herzallerliebste mein,
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Wenn's weiße Lilien schneiet,
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Und regnet Hochzeitswein.«

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Er schied. Und nur im Traume
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Kam Trost für ihre Pein:
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Sie sah beim Gräberbaume
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Wein regnen, Lilien schnein.

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Und wie sie dann erwachte,
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So war es lauter Nichts.
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Da weinte sie und lachte
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Ob ihres Wahngesichts:

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»laßt mich zum Gräbergarten,
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Zum kühlen Erdverließ,
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Das Wunder zu erwarten,
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So doch mein Schatz verhieß.

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Sprach er denn nicht: gefreiet
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Wird, Allerliebste mein,
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Wenn's weiße Lilien schneiet,
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Und regnet Hochzeitswein?

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Ein Dach soll mich bedecken,
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Wenn endlich Lilien schnein,
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Ein Hügel mich verstecken,
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Wenn's regnet Hochzeitswein.«

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Bald raunten dumpfe Glocken:
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»willkommen unterm Dach,
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Tu Myrten um die Locken
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Und ruh im Brautgemach!«

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Nach Jahren kommt gegangen
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Der Knabe durch das Gras,
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Erblichen seine Wangen,
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Die Augen kummernaß.

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Da hat sein Fuß geholpert,
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Und übers Totenhaus
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Ist er dahingestolpert,
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Der Odem ging ihm aus.

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Nun horch, es lacht im Grabe:
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»erfüllt soll also sein,
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Dein Spruch, getreuer Knabe:
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Wein regnet, Lilien schnein!

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Der Schnee sind deine Wangen,
54
Dein Augentau ist Wein.
55
Nun halten sich umfangen
56
Auf ewig Mein und Dein.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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