Im Feuernest des Herdes ruht

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Bruno Wille: Im Feuernest des Herdes ruht Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Im Feuernest des Herdes ruht
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Verloren mein düstres Auge;
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Und grübelnd starrt die Glut
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Zurück mit rotem Auge. –
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Glut, was starrst du?

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Draußen an der Mauer rüttelt
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Der Sturm mit drohendem Gebraus;
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An morschen Gliedern
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Zittert das Haus, –
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Wie ein zagender Greis.

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Ein Bangen kommt geschlichen
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Und flüstert in mein Ohr;
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Und zur Decke huscht
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Scheu mein Blick empor:
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Wenn die Decke birst, –!

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Da raunt es und zischelt:
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»ja, ducke dich nur
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Und drehe die Augen nach oben!
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Sieh die Faust der Vernichtung erhoben!
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Horch, wie die Balken stöhnen!
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Sie ahnen, daß dies Haus
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Einst im Sturze dröhnen
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Wird wie ein gefällter Riese.

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Wenn dann der aufgewirbelte Staub
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Sich senkt auf wüste Trümmer,
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Kommt das Unkraut
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Mit tastender Wurzel
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Geschlichen und wühlt sich
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In morsches Gestein;
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Halb vergraben aber im Schutt,
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Lugt zum mürrischen Himmel empor
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Mit leeren Augenhöhlen
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Ein bleicher Schädel –
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Dein kostbar Haupt!« – –

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Mein Haupt! –
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Was ich bedient mit täglicher Plage,
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Wie eine Mutter ihr einziges Kind,
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Was ich beim Rascheln der Gefahr
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Geschirmt mit zuckendem Arm –
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Das liegt nun hoffnungslos verworfen
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Zwischen Schutt und hämischem Unkraut,
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Wie ein zertrümmertes Thongefäß! ...

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Im Feuernest des Herdes ruht
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Verloren mein angstvoll Auge;
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Und grübelnd starrt die Glut
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Zurück mit rotem Auge.
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Glut, was starrst du? –

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Da sprüht es in dem roten Auge
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Begeistert auf;
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Heiliges Feuer wallt empor
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Und stürzt auf meine Seele
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Wie einer Sturmflut Woge;
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Und die Flammen singen summend
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Wie Orgelton, wie Sturmesbrausen:
55
»gieb es auf, dein nichtig Haupt!
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Dann magst du es getrost verlieren.
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Sei gleich uns, verbrenne dich!
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Viele tasten im Dunkeln und frieren.
59
Sieh die fromme Flammenrose
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Blätterüppig blühen,
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Licht und Wärme, Liebesgaben,
62
Ihrem Kelch entsprühen! –
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Selig, wer aus enger Hülle
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Freudig sich erhebt,
65
Zu erhabenen Himmelsweiten
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Selbstverloren schwebt!
67
Wie ein stiebend Aschenstäubchen
68
Flieht die Todesnot ...
69
Überselig ist die Liebe,
70
Ist der Opfertod!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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