Fern in Winterdunst versunken

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Bruno Wille: Fern in Winterdunst versunken Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Fern in Winterdunst versunken
2
Liegt die graue Stadt. –
3
Auf bereifter Wiese
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Träumt ein Frühgeborener
5
Von einer Stadt des Lichtes. – – –

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In frostigen Dünsten, die zum Himmel qualmen,
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Verblutet die Sonne.
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Ein weißes Birkenkind mit bebenden Reisern
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Starrt bang in die Blutung:
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O stirb nicht, Mütterchen Sonne!

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Im zarten Gezweige hängt
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Rotkehlchen mit blutiger Brust,
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Das Gefieder schaudernd gesträubt:
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Die Sonne stirbt, –
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Wie Blätter und Mücken starben!

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Ein karges Weilchen am Nachmittag
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Erhob sie sich und schaute matt
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Und schräge über die Wiese;
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Dann ward sie ein verweintes Auge,
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Und nun ein Tropfen Blut ...
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Sie stirbt, – wie jüngst die Blätter starben.

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Lebwohl, lebwohl!
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Deine Kinder behalten dich lieb.
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Sieh, drüben das Häuschen,
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Das oft du belächelt,
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Grüßt dich wehmütig
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Mit glühender Fensterscheibe ...

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Und dicker qualmen die frostigen Dünste.
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Anfangs müssen sie leuchten wie Nordlicht;
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Doch ihr rauchiger Schleier siegt,
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Und düster blutend,
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Gleich verglühender Kohle,
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Erstickt im Qualme die Sonne.

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Russige Wolken ragen empor,
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Die auf riesigen Rumpfen
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Unendliche Flockenlasten zusammentragen,
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Die Welt zu verschütten.

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Dämmrung stürzt lawinengleich
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Von Wolkengebirgen;
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Aus Wolkenklüften haucht der Frost
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Schneidend über frierende Gräser.
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Krächzend und flügelklatschend
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Hastet die Krähe hinweg;
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Rotkehlchen ist fort, wie sturmverweht;
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Die verwaiste Birke erschauert,
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An den Wimpern erfrorene Thränen ...
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Die Sonne ist tot! – – –

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In Finsternis versunken liegt die ferne Stadt.
49
Auf erfrorener Wiese
50
Träumt ein Frühgeborener
51
Von einer Stadt des Lichtes.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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