In üppigen Sonnenfluten

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Bruno Wille: In üppigen Sonnenfluten Titel entspricht 1. Vers(1894)

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In üppigen Sonnenfluten
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Badet sich der Park,
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Der mit glänzendem Blättergewoge
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Grausteinerne Häuserwälle bespült.

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Aus schattiger Straßenmündung strömt,
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Buntblitzenden Wellen gleich,
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Blütenfarbig geputztes Volk:
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Mädchen mit buntbebänderten Hüten,
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Blühenden Augen, schimmernden Zähnen.

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Das Plaudern plätschert
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Der Ruhebank vorbei
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Unter lila blühendem Flieder,
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Wo ich sitze bei spielenden Kindern.
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Im Strauche flötet die Nachtigall;
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Fernes Konzert
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Weht mit Düften süß heran
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Und zittert in meiner Seele ...

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Sanftes Mädchengesicht
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Unter schüchternem Sommerhut,
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Blaues Blütenauge,
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Ich könnte dich lieben!
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Doch zages Träumen hält mich fest,
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Und dich entführt die Flut ...

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Und wieder wehen mit Fliederduft
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Accorde schmachtend, schwellend;
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Und meine Seele zittert
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Von süßem Sehnsuchtsschauer.

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Sieh, das Weib
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Im dunkeln Kleide,
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Stolz,
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Mit rundem Busen
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Und schwarzer Augenglut!

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Mein Herz entbrennt
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Und pocht in wilder Sehnsucht.
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Was brennst du so?
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Ist
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Die heiß umschlingend
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Dein zehrend Schmachten stillt?
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Soll ich ihr folgen, pochendes Herz? –
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Ich wag' es nicht;
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Mir wird so schwül und bang.

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Denn vielleicht – was weiß ich! –
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Blüht Gift im dunkeln Auge
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Und verzehrt mir qualvoll
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Wangen und Seele. –
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So ist die Liebe!
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Auf Leben und Tod!

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Oder ist dies Strahlenauge
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Mir Quelle ewiger Wonne? –
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So geh zur Quelle, schmachtendes Herz!
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Sonst verspült die Flut dein Glück! –

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Ja, ich gehe!
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Noch
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Und hingerissen folg' ich,
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Zu lieben auf Leben und Tod ...

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Doch wehe! Mir schwindelt;
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Ich wanke, zu stürzen
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In glitzernde Wellen
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Des Menschenstromes.
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Halt dich fest, bethörte Seele!
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Jedwede liebliche Welle
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Ist Liebe auf Leben und Tod! –

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Doch horch, die Nachtigall lockt so heiß,
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Berauschend wehen Musik und Duft,
65
Und Menschenaugen blühen so schön ...
66
Wohlauf in den Strom der Seelen,
67
Zu lieben auf Leben und Tod!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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