Es brennt in meinem Gehirn

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Bruno Wille: Es brennt in meinem Gehirn Titel entspricht 1. Vers(1894)

1
Es brennt in meinem Gehirn
2
Ein Traum mit gährender Glut,
3
Wie hinter Vesuvius' Felsenstirn
4
Der Erde fieberndes Feuerblut. –
5
Ich träume die kommende Sonne.

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Und wie des Meeres Fluth empor
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Zum lockenden Monde schwillt,
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Wallt meine Seele schmachtend
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Dem angebeteten Traumgebild
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Entgegen – der kommenden Sonne.

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In stummer Nacht, dem weichen Arm
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Schläfernder Ruh entwunden,
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Wälz ich mich mit heißem Sehnen,
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Fülle mit Grübeln zögernde Stunden
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Und harre der kommenden Sonne.

16
Vom Lager fahr' ich wild empor,
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Wissende Bücher aufzuschlagen;
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Ihr starren Züge, laßt mich lesen:
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Wann wird umnachteten Völkern tagen
20
Die selig machende Sonne?

21
Es treibt mich auf die Gassen hinaus;
22
Da athmen die Gassen Moderluft;
23
Ein steinerner Sarg jedwedes Haus,
24
Die Stadt eine riesige Gruft. –
25
Erbarme dich, kommende Sonne!

26
Und schaudernd durch das Thor der Gruft
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Flücht' ich hinaus auf offnes Feld,
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Zu spähen, ob die finstre Luft
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Ein Morgenschimmer nicht erhellt.
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Ich ahne die kommende Sonne.

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Und sieh, des Lichtes Halme schießen
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Empor vom grauen Himmelsstrande,
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Wie hinter schwarzem Schildesrande
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Blutige Speere sprießen.
35
Das sind die Speere der Sonne!

36
Da weicht der Drache der Verwesung
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Von seinem Nest, der Völkergruft;
38
Er faltet die zackigen Flügel
39
Und kriecht entsetzt in eine Schluft. –
40
Preis dir, siegende Sonne!

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Nun taucht am froh erröthenden Himmel
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Empor der rollende Feuerball.
43
Da zittert die Erde, da bersten
44
Die Riesensärge mit Donnerschall. –
45
Preis dir, erlösende Sonne!

46
Die toten Völker stehen auf
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Und baden im goldig strömenden Licht;
48
Die Leiber blühen schön und stark,
49
Und geistig strahlt das Angesicht. –
50
Preis dir, erweckende Sonne!

51
Die Erde schimmert wie eine Braut
52
Im Schmuck der Blumen und Seen;
53
Hinter üppig grünenden Hainen
54
Marmorhäuser erstehen. –
55
Preis dir, verklärende Sonne!

56
Und aus den Thoren der Marmorstadt
57
Wallt des Volkes festliche Schaar,
58
Bringt Fahnen, selige Lieder,
59
Trunkene Blicke zum Opfer dar
60
Der entzückenden Göttin Sonne. – –

61
So brennt in meinem Gehirn
62
Der Traum mit gährender Glut,
63
Wie hinter Vesuvius' Felsenstirn
64
Der Erde fieberndes Feuerblut. –
65
Ich träume die kommende Sonne.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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