Wie liegt die Welt in Regenfloren

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Bruno Wille: Wie liegt die Welt in Regenfloren Titel entspricht 1. Vers(1894)

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Wie liegt die Welt in Regenfloren
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So leichenhaft verloren!
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Der Himmel grau und greise,
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Die Erde runzlig greise;
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Und beide weinen leise.
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Vergilbter Rasen, Moderlaub,
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Der Bäume schwärzliches Geäst –
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So trüb verschwommen,
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Gleich gramgetränkten Grübelein.
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Mein Haupt ist öde wie im Herbst ein Nest,
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Und auf dem Herzen preßt
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Mir kalt und schwer ein Leichenstein. – –

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Einst lieg ich steif und hager
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Auf dem Totenlager:
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All meine Weisheit ist alsdann
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Ein Büschel Silberhaar,
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Und all mein Lied
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Ein reglos bleiches Lippenpaar;
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All meine Liebe
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Ein kaltes, starres Herz,
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Und all mein Werk
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Zwei schwere Hände auf dem starren Herzen
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Fern stirbt der Straßenlärm, stumm schaun die düstern Wände
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Auf meinen greisen Schatz,
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Der leise schluchzt – in seine welken Hände.
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Dann – kommt der Leichenmann,
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Packt alles in den Sarg:
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Haare, Lippen, Herz und Hände,
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Und preßt den Deckel fest mit knirschenden Schrauben.
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Nun mag ich träumen
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Im Finstern, Stillen, Kühlen ...

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Und ich träume:
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Ich bin ein zarter Keim
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Und grabe heimlich feine Wurzeln,
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Stemme mich rüstig wider die Krume
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Und recke neugiervoll mein Köpfchen...

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Da blendet und umspült mich
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Entzückend goldnes Licht,
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So lau, so weich!
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Horch, wie jauchzend zwitschern
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Die behenden Vöglein!
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Mit ihren süßen Kehlen
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Hüpft mein Kinderherz.
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Und sieh, auf Zweigen sitzen
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Viel kleine runde Knospen.
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Ich nicke ihnen lächelnd zu;
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Sie nicken wieder
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Und wollen mit mir spielen.
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Und wie wir spielen in warmer Sonne,
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Da wachsen den lieben Kleinen
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Lauter Flügelchen weiß und rosa,
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Und zwischen Zweigen und Blättchen schweben sie,
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Duftige Engelchenschwärme.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Bruno Wille
(18601928)

* 06.02.1860 in Madgeburg, † 31.08.1928 in Schloss Senftenau in Aeschach

männlich, geb. Wille

deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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