... und Psyche, meine Seele, sah mich an

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Hugo von Hofmannsthal: ... und Psyche, meine Seele, sah mich an Titel entspricht 1. Vers(1892)

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... und Psyche, meine Seele, sah mich an
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Von unterdrücktem Weinen blaß und bebend
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Und sagte leise: »Herr, ich möchte sterben,
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Ich bin zum Sterben müde und mich friert.«

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O Psyche, Psyche, meine kleine Seele,
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Sei still, ich will dir einen Trank bereiten,
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Der warmes Leben strömt durch alle Glieder.
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Mit gutem warmem Wein will ich dich tränken,
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Mit glühendem sprühendem Saft des lebendigen
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Funkelnden, dunkelnden, rauschend unbändigen,
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Quellenden, schwellenden, lachenden Lebens,
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Mit Farben und Garben des trunkenen Bebens:
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Mit sehnender Seele von weinenden Liedern,
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Mit Ballspiel und Grazie von tanzenden Gliedern,
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Mit jauchzender Schönheit von sonnigem Wehen
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Hellrollender Stürme auf schwarzgrünen Seen,
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Mit Gärten, wo Rosen und Efeu verwildern,
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Mit blassen Frauen und leuchtenden Bildern,
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Mit fremden Ländern, mit violetten
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Gelbleuchtenden Wolken und Rosenbetten,
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Mit heißen Rubinen, grüngoldenen Ringen
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Und allen prunkenden duftenden Dingen.

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Und Psyche, meine Seele, sah mich an
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Und sagte traurig: »Alle diese Dinge
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Sind schal und trüb und tot. Das Leben hat
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Nicht Glanz und Duft. Ich bin es müde, Herr.«

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Ich sagte: Noch weiß ich wohl eine Welt,
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Wenn dir die lebendige nicht gefällt.
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Mit wunderbar nie vernommenen Worten
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Reiß ich dir auf der Träume Pforten:
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Mit goldenglühenden, süßen lauen
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Wie duftendes Tanzen von lachenden Frauen,
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Mit monddurchsickerten nächtig webenden
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Wie fiebernde Blumenkelche bebenden,
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Mit grünen, rieselnden, kühlen, feuchten
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Wie rieselndes grünes Meeresleuchten,
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Mit trunken tanzenden, dunklen, schwülen
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Wie dunkelglühender Geigen Wühlen,
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Mit wilden, wehenden, irren und wirren
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Wie großer nächtiger Vögel Schwirren,
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Mit schnellen und gellenden, heißen und grellen
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Wie metallener Flüsse grellblinkende Wellen ...
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Mit vielerlei solchen verzauberten Worten
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Werf ich dir auf der Träume Pforten:
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Den goldenen Garten mit duftenden Auen
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Im Abendrot schwimmend, mit lachenden Frauen,
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Das rauschende violette Dunkel
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Mit weißleuchtenden Bäumen und Sterngefunkel,
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Den flüsternden, braunen, vergessenen Teich
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Mit kreisenden Schwänen und Nebel bleich,
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Die Gondeln im Dunklen mit seltsamen Lichtern,
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Schwülduftenden Blumen und blassen Gesichtern,
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Die Heimat der Winde, die nachts wild wehen,
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Mit riesigen Schatten auf traurigen Seen,
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Und das Land von Metall, das in schweigender Glut
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Unter eisernem grauem Himmel ruht.

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– – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
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Da sah mich Psyche, meine Seele, an
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Mit bösem Blick und hartem Mund und sprach:
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»dann muß ich sterben, wenn du so nichts weißt
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Von allen Dingen, die das Leben will.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Hugo von Hofmannsthal
(18741929)

* 01.02.1874 in Wien, † 15.07.1929 in Rodaun

männlich, geb. von Hofmannsthal

| Schlaganfall

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist

(Aus: Wikidata.org)

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