Die Sonne sinkt den lebenleeren Tagen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Hugo von Hofmannsthal: Die Sonne sinkt den lebenleeren Tagen Titel entspricht 1. Vers(1892)

1
Die Sonne sinkt den lebenleeren Tagen
2
Und sinkt der Stadt vergoldend und gewaltig,
3
So wie sie sank der Zeit, die viel zu sagen
4
Und viel zu schenken hatte, vielgehaltig.
5
Und Schatten scheint die goldne Luft zu tragen
6
Versunkener Tage, blaß und zartgestaltig,
7
Und alle Stunden, die vorübergleiten,
8
Verhüllt ein Hauch verklärter Möglichkeiten.

9
Ein Morgen war in blassen weiten Gärten,
10
Von kühlem Duft und Einsamkeit durchzogen,
11
Die Sonne steigt, es finden sich Gefährten,
12
Aus Lauben tretend, aus lebendigen Bogen,
13
Und die Gedanken, die sich funkelnd mehrten
14
Und aus der Einsamkeit die Schönheit sogen,
15
Ergießen sich in losgebundenen Scharen
16
Mit offenen Lippen, Efeu in den Haaren.

17
Und alle Dinge werden uns lebendig:
18
Im Winde weht der Atem der Mänaden,
19
Aus dunklen Teichen winkt es silberhändig,
20
Und die verträumten flüstern, die Dryaden,
21
In leisen Schauern sehnend und beständig
22
Von nächtigen geheimnisvollen Gnaden
23
Mit gelbem warmem Mond und stillem Prangen
24
Und vieler Schönheit, die vorbeigegangen.

25
Doch aus dem Garten sind wir schon getreten:
26
Auf goldenen Fluten harren die Galeeren
27
Mit Flötenklang und Segeln, weißgeblähten ...
28
Und weiter Treppen königliche Ehren
29
Mit Purpurprunk und silbernen Trompeten ...
30
Und von berühmten griechischen Hetären,
31
In goldenes Braun und Pfirsichrot gehüllt,
32
Ist der Balkone Gitterwerk erfüllt.

33
Es gleitet flink durch dunkelblaue Wogen
34
Das goldene Schiff der Insel nun entgegen,
35
Der Flötenschall ist singend vorgeflogen,
36
Und auf den blumen-überquollnen Wegen
37
Aus des Theaters schwarzem Marmorbogen
38
Sieht man den Chor sich feierlich bewegen,
39
Um Bacchos und die Musen anzurufen,
40
Die aus dem Rausche die Tragödie schufen.

41
Im Fackelschein, wo alle Schatten schwanken,
42
Ist die Tragödie königlich beendet,
43
Mit schweren reifen purpurnen Gedanken
44
Sind wir zur Heimfahrt durch die Nacht gewendet.
45
Und wie die Formen all in Dunkel sanken,
46
So hat auch alles Irdische geendet,
47
Und wie der Schlaf im leisen Takt der Wogen –
48
Willkommen käme jetzt der Tod gezogen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Hugo von Hofmannsthal
(18741929)

* 01.02.1874 in Wien, † 15.07.1929 in Rodaun

männlich, geb. von Hofmannsthal

| Schlaganfall

österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.