DrEI BLICKE IN EINEN OPAL

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Trakl: DrEI BLICKE IN EINEN OPAL (1913)

1
Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,
2
Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel
3
Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel
4
Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.

5
Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein,
6
Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen.
7
Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen
8
Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain.

9
Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein
10
Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,
11
Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster
12
Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.

13
Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau
14
Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,
15
Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.
16
Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.

17
In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,
18
Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,
19
Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen
20
Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.

21
Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau.
22
Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen.
23
Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen
24
Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau.

25
Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.
26
Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;
27
Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.
28
Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.

29
Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch
30
Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;
31
Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer
32
Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.

33
O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;
34
Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.
35
Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern
36
Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch.

(Trakl, Georg: Gedichte. Leipzig, 1913.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Trakl
(18871914)

* 03.02.1887 in Salzburg, † 03.11.1914 in Buenos Aires

männlich, geb. Trakl

Suizid | Überdosis

österreichischer Dichter des Expressionismus

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.