Vergänglichkeit

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Nikolaus Lenau: Vergänglichkeit (1832)

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Vom Berge schaut hinaus ins tiefe Schweigen
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Der mondbeseelten, schönen Sommernacht
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Die Burgruine; und in Tannenzweigen
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Verseufzt ein Lüftchen, das allein bewacht
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Die trümmervolle Einsamkeit,
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Den bangen Laut: „Vergänglichkeit!“

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„vergänglichkeit!“ mahnt mich im stillen Thale
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Die ernste Schaar bekreuzter Hügel dort,
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Wo dauernder der Schmerz in Todtenmahle,
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Als in verlassne Herzen sich gebohrt;
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Bei Sterbetages Wiederkehr
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Befeuchtet sich kein Auge mehr.

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Der wechselnden Gefühle Traumgestalten
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Durchrauschen äffend unser Herz, es sucht
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Vergebens seinen Himmel festzuhalten,
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Und fortgerissen in die rasche Flucht
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Wird selbst der Jammer, und der Hauch
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Der sanften Wehmuth schwindet auch.

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Horch' ich hinab in meines Busens Tiefen,
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„vergänglichkeit!“ klagt's hier auch meinem Ohr,
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Wo längst der Kindheit Freudenkläng' entschliefen,
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Der Liebe Zauberlied sich still verlor;
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Wo bald in jenen Seufzer bang
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Hinstirbt der lezte frohe Klang.

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Vergänglichkeit! dein Hauch, als Sturmeswüthen,
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Wirft hingeschmettert Eichen in den Staub;
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Dein Hauch, als linder West, entführt die Blüthen
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Dem Rosenstrauch in schmeichlerischem Raub.
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Wie Blüthen hier, so fächelt dort
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Dein Hauch die welken Sterne fort!

(Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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