Doppeltgänger

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Annette von Droste-Hülshoff: Doppeltgänger (1860)

1
's war eine Nacht, vom Thaue wachgeküßt,
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Das Dunkel fühlt’ ich kühl wie zarten Regen
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An meine Wange gleiten. Das Gerüst
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Des Vorhangs schien sich schaukelnd zu bewegen,
5
’s war eine Nacht, wo man am Morgen denkt:
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Ward Dasein jetzt dir, oder dort geschenkt?

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Mir war so wohl und federleicht zu Muth,
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So schwimmend nun die Wimper halb geschlossen;
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Verlorne Funken zuckten durch mein Blut,
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Von fernen Lauten wähnt’ ich mich umflossen;
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’s war eine Nacht, wo man am Morgen fragt:
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Hat’s damals, oder hat es jetzt getagt?

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Und immer heller ward der süße Klang,
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Das liebe Lachen, es begann zu schwimmen
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Wie Bilder von Daguerre die Deck’ entlang,
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Gleich Feuerwürmern sah ich Augen glimmen,
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Dann wurden feucht sie, blau und lind,
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Und mir zu Füßen saß ein schönes Kind.

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Das sah zu mir empor, so ernst gespannt,
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Als quelle ihm die Seele aus den Blicken,
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Bald schloß es, schmerzlich zuckend, seine Hand,
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Bald schüttelt es sie funkelnd vor Entzücken,
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Und horchend, horchend klomm es sacht heran
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Zu meiner Schulter — und wo blieb es dann? —

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O wären’s Geisterstimmen aus der Luft,
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Die sich wie Vogelzwitschern um mich reihten!
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Wär’ Grabesbrodem nur der leise Duft,
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Der mich umseufzte aus verschollnen Zeiten.
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Doch nur mein Herz ist eure stille Gruft,
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Und meine Heil’gen, meine einst Geweihten,
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Sie leben alle, wandeln allzumal.
32
Vielleicht zum Segen sich, doch mir zur Qual.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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