2.

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Theodor Storm: 2. (1852)

1
Seiner Herrin an der Seite;
2
Von der Schulter glänzt die Schärpe
3
Als ein freundlich Minnezeichen.

4
Sieghaft schlingt er seine Arme
5
Um den Leib des stolzen Weibes,
6
Unaufhaltsam süße Worte
7
Schwatzt er, und die Dame schweiget.

8
Will zu einem halben Wörtchen
9
Oeffnen sie der Lippen Zeile,
10
Schließt er ihr den Mund mit Küssen,
11
Und die Dame lauscht und schweiget.

12
„süße Herrin, unerklärlich
13
Bleibt mir eure stumme Weise!
14
Wollen eure rothen Lippen
15
Gleiches zahlen mir mit Gleichem?

16
Oder lernten diese Lippen
17
Lieblicher die Zeit vertreiben?
18
Gar behäglich ist das Schwatzen;
19
Doch ein Andres ist gescheidter.“

20
Draußen auf den Mandelblüthen
21
Ruht die Nacht im Mondenscheine;
22
Unaufhaltsam schwatzt der Ritter,
23
Und die Dame lauscht und schweiget.

24
Gab sie hin des Blickes Zauber?
25
Sprach sie aus die Zauberweise?
26
Doch nicht fürder klagt die Dame
27
Ueber ihres Ritters Schweigen.

(Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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