Das Mädchen mit den hellen Augen

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Theodor Storm: Das Mädchen mit den hellen Augen (1852)

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Die wollte Keines Liebste sein;
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Sie sprang und ließ die Zöpfe fliegen,
3
Die Freier schauten hinterdrein.

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Die Freier standen ganz von Ferne
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In blanken Röcklein lobesam.
6
„frau Mutter, ach, so sprecht ein Wörtchen,
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Und macht das liebe Kindlein zahm!“

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Die Mutter schlug die Händ' zusammen,
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Die Mutter rief: „Du thöricht Kind,
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Greif zu, greif zu! Die Jahre kommen,
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Die Freier gehen gar geschwind!“

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Sie aber ließ die Zöpfe fliegen,
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Und lachte alle Weisheit aus;
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Da sprang durch die erschrockenen Freier
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Ein toller Knabe in das Haus.

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Und wie sie bog das wilde Köpfchen,
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Und wie ihr Füßchen schlug den Grund,
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Er schloß sie fest in seine Arme
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Und küßte ihren rothen Mund.

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Die Freier standen ganz von Ferne,
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Die Mutter rief vor Staunen schier:
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„gott schütz' dich vor dem ungeschlachten,
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Ohn' Maaßen groben Cavalier!“

(Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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