Morgane

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Theodor Storm: Morgane (1852)

1
Wenn Luft und Fluth zusammenragen
2
Und ohne Regung schläft die See,
3
Dann steht an unserm grauen Strande
4
Das Wunder aus dem Morgenlande,
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Morgane, die berufne Fee.

6
Arglistig halb und halb von Sinne,
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Verschmachtend nach dem Kelch der Minne,
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Der stets an ihrem Mund versiegt,
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Umgaukelt sie des Wandrers Pfade,
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Und lockt ihn an ein Scheingestade,
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Das in des Todes Reichen liegt.

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Von ihrem Zauberspiel geblendet
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Ruht manches Haupt in Nacht gewendet
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Begraben in der Wüste Schlucht ;
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Denn ihre Liebe ist Verderben,
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Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuß ist Sterben,
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Die schönen Augen sind verflucht.

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So steht sie jetzt im hohen Norden
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An unsres Meeres dunkeln Borden,
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So schreibt sie fingernd in den Dunst;
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Und quellend aus den luftgen Spuren
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Erstehn in dämmernden Conturen
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Die Bilder ihrer argen Kunst.

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Doch hebt sich nicht wie dort im Süden
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Auf rosigen Karyatiden
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Ein Wundermärchenschloß in's Blau;
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Nur eines Haubergs graues Bildniß
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Schwimmt einsam in der Nebelwildniß,
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Und keinen lockt der Hexenbau.

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Bald wechselt sie die dunkle Küste
31
Mit Libyens sonnengelber Wüste
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Und mit der Tropenwälder Duft;
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Dann bläs't sie lachend durch die Hände,
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Dann schwankt das Haus, und Fach und Wände
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Verrinnen quirlend in die Luft.

(Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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