Roland Schildträger

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Ludwig Uhland: Roland Schildträger (1815)

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Der König Karl saß einst zu Tisch
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Zu Aachen mit den Fürsten,
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Man stellte Wildbrät auf und Fisch
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Und ließ auch Keinen dürsten.
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Viel Goldgeschirr von klarem Schein,
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Manch rothen, grünen Edelstein
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Sah man im Saale leuchten.

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Da sprach Herr Karl, der starke Held:
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„was soll der eitle Schimmer?
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Das beste Kleinod dieser Welt,
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Das fehlet uns noch immer.
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Dies Kleinod, hell wie Sonnenschein,
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Ein Riese trägt’s im Schilde sein,
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Tief im Ardennerwalde.“

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Graf Richard, Erzbischof Turpin,
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Herr Heimon, Naims von Baiern,
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Milon von Anglant, Graf Garin,
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Die wollten da nicht feiern.
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Sie haben Stahlgewand begehrt
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Und hießen satteln ihre Pferd’,
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Zu reiten nach dem Riesen.

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Jung Roland, Sohn des Milon, sprach:
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„lieb Vater! hört, ich bitte!
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Vermeint Ihr mich zu jung und schwach,
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Daß ich mit Riesen stritte,
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Doch bin ich nicht zu winzig mehr,
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Euch nachzutragen Euern Speer
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Sammt Eurem guten Schilde.“

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Die sechs Genossen ritten bald
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Vereint nach den Ardennen,
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Doch als sie kamen in den Wald,
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Da thäten sie sich trennen.
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Roland ritt hinter’m Vater her;
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Wie wohl ihm war, des Helden Speer,
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Des Helden Schild zu tragen!

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Bei Sonnenschein und Mondenlicht
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Streiften die kühnen Degen,
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Doch fanden sie den Riesen nicht
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In Felsen noch Gehegen.
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Zur Mittagsstund’ am vierten Tag
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Der Herzog Milon schlafen lag
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In einer Eiche Schatten.

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Roland sah in der Ferne bald
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Ein Blitzen und ein Leuchten,
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Davon die Stralen in dem Wald
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Die Hirsch’ und Reh’ aufscheuchten;
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Er sah, es kam von einem Schild,
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Den trug ein Riese, groß und wild,
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Vom Berge niedersteigend.

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Roland gedacht’ im Herzen sein:
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„was ist das für ein Schrecken!
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Soll ich den lieben Vater mein
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Im besten Schlaf erwecken?
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Es wachet ja sein gutes Pferd,
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Es wacht sein Speer, sein Schild und Schwerdt,
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Es wacht Roland, der junge.“

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Roland das Schwerdt zur Seite band,
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Herrn Milons starkes Waffen,
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Die Lanze nahm er in die Hand
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Und thät den Schild aufraffen.
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Herrn Milons Roß bestieg er dann
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Und ritt erst sachte durch den Tann,
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Den Vater nicht zu wecken.

(Uhland, Ludwig: Gedichte. Stuttgart u. a., 1815.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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