2. Durand

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Ludwig Uhland: 2. Durand (1815)

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Nach dem hohen Schloß von Balbi
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Zieht Durand mit seinem Spiele;
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Voll die Brust von süßen Liedern,
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Naht er schon dem frohen Ziele.
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Dort ja wird ein holdes Fräulein,
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Wann die Saiten lieblich rauschen,
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Augen senkend, zart erglühend,
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Innig athmend, niederlauschen.
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In des Hofes Lindenschatten
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Hat er schon sein Spiel begonnen,
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Singt er schon mit klarer Stimme
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Was er süßestes ersonnen.
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Von dem Söller, von den Fenstern
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Sieht er Blumen freundlich nicken,
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Doch die Herrin seiner Lieder
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Kann sein Auge nicht erblicken.
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Und es geht ein Mann vorüber,
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Der sich traurig zu ihm wendet:
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„störe nicht die Ruh der Todten!
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Fräulein Blanka hat vollendet.“
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Doch Durand, der junge Sänger,
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Hat darauf kein Wort gesprochen,
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Ach! sein Aug’ ist schon erloschen,
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Ach! sein Herz ist schon gebrochen.
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Drüben in der Burgkapelle,
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Wo unzähl’ge Kerzen glänzen,
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Wo das todte Fräulein ruht,
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Hold geschmückt mit Blumenkränzen:
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Dort ergreifet alles Volk
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Schreck und Staunen, freudig Beben,
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Denn von ihrem Todtenlager
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Sieht man Blanka sich erheben.
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Aus des Scheintods tiefem Schlummer
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Ist sie blühend auferstanden,
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Tritt im Sterbekleid hervor
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Wie in bräutlichen Gewanden.
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Noch, wie ihr geschehn, nicht wissend,
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Wie von Träumen noch umschlungen,
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Fragt sie zärtlich, sehnsuchtsvoll:
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„hat nicht hier Durand gesungen?“
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Ja! gesungen hat Durand,
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Aber nie mehr wird er singen,
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Auferweckt hat er die Todte,
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Ihn wird Niemand wiederbringen.
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Schon im Lande der Verklärten
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Wacht’ er auf und mit Verlangen
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Sucht er seine süße Freundin,
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Die er wähnt vorangegangen;
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Aller Himmel lichte Räume
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Sieht er herrlich sich verbreiten;
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Blanka! Blanka! ruft er sehnlich
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Durch die öden Seligkeiten.

(Uhland, Ludwig: Gedichte. Stuttgart u. a., 1815.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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