3.

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Ludwig Uhland: 3. (1815)

1
Ein Fräulein sah vom Schlosse
2
Hinab in’s tiefe Thal.
3
Ihr Vater kam zu Rosse,
4
Er trug ein Kleid von Stahl.
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„willkomm, Herr Vater, Gottwillkomm!
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Was bringst du deinem Kinde?
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Ich war wohl still und fromm.“

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„mein Kind im weissen Kleide!
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Wohl hab’ ich dein gedacht.
10
Die Blumen sind dein’ Freude,
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Mehr als des Goldes Pracht.
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Das Blümlein, klar wie Silber, hier
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Nahm ich dem kühnen Gärtner,
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Gab ihm den Tod dafür.“

15
„wie war er so verwegen?
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Warum erschlugst du ihn?
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Er thät der Blümlein pflegen,
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Die werden nun verblühn.“
19
„er hat mir wunderkühn versagt
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Die schönste Blum’ im Garten,
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Die spart’ er seiner Magd.“

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Das Blümlein lag der Zarten
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An ihrer weichen Brust.
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Sie ging in einen Garten,
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Der war wohl ihre Lust.
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Da schwoll ein frischer Hügel auf,
27
Dort bei den weissen Lilien,
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Sie setzte sich darauf.

29
„o könnt’ ich thun zur Stunde
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Den lieben Schwestern gleich!
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Doch’s Blümlein gibt kein’ Wunde,
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Es ist so zart und weich.“
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Auf’s Blümlein sah sie, bleich und krank,
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Bis daß ihr Blümlein welkte,
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Bis daß sie niedersank.

(Uhland, Ludwig: Gedichte. Stuttgart u. a., 1815.Aus: Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich aus Wikisource (Wikimedia Foundation Inc.) übernommen und durch das Deutsche Textarchiv (DTA) aufbereitet und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Ludwig Uhland
(17871862)

* 26.04.1787 in Tübingen, † 13.11.1862 in Tübingen

männlich, geb. Uhland

deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler und Landtagsabgeordneter

(Aus: Wikidata.org)

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