Die Wage

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Johann Gottfried Herder: Die Wage (1800)

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Unter den Sternen hört' ich klingen die goldene Wage;
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Strebend im Gleichgewicht, tönte sie Allen den Schall:
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Und vom Felsenaltar rief ihn die Echo zurück.
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Wie der Hagel anschießt und in gleichem Maaße zurückprallt,
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Hier der glänzende Strahl, dort der geworfene Ball:
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Also trifft sich im Winkel, im innersten Herzen des Menschen,
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Gleiches mit Gleichem; es paart immer sich Folge mit That.
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Lohn dem Guten und Strafe dem Bösen. Im menschlichen Herzen
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Thront der Richter und wägt, klaget und zeuget und spricht,
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Vor ihm das offene Buch. Im Weltgerichte der Völker,
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In der Tyrannen Herz, selbst in des Heuchelnden Brust
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Tönt die Stimme der Angst, des Vorwurfs, Neides und Abscheus;
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Nachts und am Tag ertönt bellend der höllische Schlund.
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Aber im Herzen des Frommen ist Ruh; er kennt seine That nicht;
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Doch ihn lohnet sein Werk sicher mit frohem Genuß.
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Auch in dem Kommen des Weltgerichts ertönet die Wage;
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Höret Ihr, Völker, nicht kommen den mächtigen Tritt?
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Seufzend höret Ihr nicht; doch er kommt! Die bekränzete Säule
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Geht aus Wolken hervor, Großmuth und stille Geduld.
20
Und jetzt glänzet die Wage: »Was Ihr dem Geringsten der Menschen
21
Thatet, thatet Ihr mir. Kommt und genießet den Lohn!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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