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Ich grüße Dich, o Mutter Erde, Dich,
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Du Vielgebärerin, in deren Schooß
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Der Vater aller Welt welch Samenheer
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Lebendiger verbarg, die alle Du
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Zum Leben ausgebierst, sie mütterlich
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Ernährst und trägest und dann friedlich sie
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In Deinen Schooß begräbst. Wie nenn' ich Dich,
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Du güt'ge Alte, Du Langmüthige,
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Die Bös und Gutes, Gift und Arzenei
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Mit gleicher Sorg' erzieht und gleiches Muths
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Hier Wohlgerüche für die Sterblichen
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In tausend Blumen aushaucht und dort Tod!
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Du Immer-Jungfrau, Du der Sonne Braut,
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Die, ewig unermüdet, rastlos sich
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Kehrt um sich selbst, sich an des Bräutigams
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Strahlvollen Blicken zu erwärmen, und
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In sich entschläft und wieder neu erwacht
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Und prangt in süßen Jugendträumen! Du
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Demüthige, die unser Fuß zertritt
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Und unser Blick verachtet, die sich selbst
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In dunkles Grau, wie oder in das Kleid
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Des kalten Winters hüllet, bis sie sich
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Mit neuen Farben, ihren Kindern, schmückt,
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Nicht sich, nur ihnen zur Erquickung und
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Zur Wohlgestalt und Freude! Herrliche,
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Ehrwürdige! Du Tausendkünstlerin,
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Penelope, die ihren Schleier stickt
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Und trennet, die des Menschen sauern Schweiß,
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Der Brüder Blut und aller ihrer Kinder
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Geliebte Asche sammelt und sie treu
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An ihren Busen drückt, mit Thränen sie,
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Mit warmen Seufzern sie dann neu beseelend.
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Und so denn will ich Dich genießen, will
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Dich jetzt auch ansehn, mütterliches Land!
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Du reichst mir Blumen, doch nur für den Tag,
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Erquickst mit Früchten nur den Wanderer,
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Der nacket auf Dir ankam und Dich nackt
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Verlassen wird, wenn seine Stunde schlägt.
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Dann lebe wohl, Du liebes Erdenrund,
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Du Tropfe Stein und Leimen, der dem Schooß
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Des Chaos einst entfloß und festgerann
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Und sich begrünte, dann ein großes Heer
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Von Lebenden gebar und sie begrub
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Und wieder wegschmilzt in des Chaos Nacht.
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– Mir öffnet sich der Erde weites Reich!
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Vorübergehen mir Jahrhunderte –
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Und Völker. – Welch ein weiter Schattenzug! –
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Ich sehe Könige mit ihren Kronen
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Ins Grab hinsinkend, sehe Schaar auf Schaar;
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Sie streiten, bluten, morden, quälen sich –
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Um eine Handvoll Erde, um ihr Grab.
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Ameisen seh' ich, kämpfend um den Halm,
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Der ihnen nicht gehört, und sonder den
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Sie auch nicht leben können. Löwen seh' ich
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Und Tiger – welche Brut! – zerreißend den
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Unschuldig-Armen! – Arme betteln Brod,
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Sie lesen auf verstohlne Aehren, die
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Du uns so reichlich zollest, liebe Erde,
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Und grämen sich und betteln um ihr Grab.
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O Schattenspiel der Welt! Du Schaugerüst
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Fruchtloser Wünsche, leerer Eitelkeit!
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Ist auf Dir Ewiges? Kann Ewiges
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Der Geist sich auf Dir träumen? Und doch bebt
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Das bange Herz, Dich zu verlassen, schlägt
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Unruhig, wie ein Fisch dicht überm Meer.
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Und bin ich denn an Dich gebunden? Ich,
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Den zu beseligen Du nie vermagst!
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Brennt das, was in mir brennt, als Flamme nur
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Des Aschenhaufens in der Erde Dunst?
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O nein! o nein! Der Dunst der Erde flammt
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Nicht auf der Seele Feuer; er vertilgt's
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Und Geister fesselt ihre Schwere nicht!
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Wie wird mir sein, o Sphäre, wenn ich Dich
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Tief unter meinen Füßen sehe, Dich,
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Den kleinen Wandelstern, mit Dampf und Nacht
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Umgeben, fern der Sonne, dem Bezirk
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Des kalten Mondes nah! wie wird mir sein,
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Wenn ich, ein Genius, mich über Dich
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Erhebe, athmend ganz im Aetherstrom!
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Dann fesseln mich nicht Deine Seufzer mehr,
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Dann rufen Deine Thränen nie zurück
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Den Frohentkommenen! es eilt mir nach,
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Was mein ist, und ich segne, segne Dich,
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Du meiner Kindheit väterliche Flur.
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. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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. . . . . . . . . . . . . . . . . Ich umfasse Dich,
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Auch meine Mutter, meine Nährerin
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Und einst mein Grab; ich fass', so weit ich kann –
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Ein kleiner Raum, doch mehr als Raumes g'nug
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Zu meiner Ruhestätte. – Doch mein Blick
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Reicht auf Dir weiter; nur mein träger Fuß
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Ist es, der an Dir klebt; mein edles Herz
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Schlägt freier, und mein Geist denkt höher auf.
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Gabst Du mir den, o Erde? Gabst Du ihn,
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So Dank Dir des Geschenkes! Zieh ihn auf,
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O gute Mutter! Du erfüllst ihn nie.
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Du leitest seine Kindheitschritte, beutst
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Ihm Deine Mutterbrust, gewährest ihm
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Aus Deinem Vorrath nur ein Bilderhaus
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Aufwachender Gedanken, weckst in ihm
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Durch gut- und böses Schicksal Deiner Sturm-
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Und Sonnentage, Deiner Frühlinge
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Und Winter, ach, Empfindungen von Wohl
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Und Weh, von Qual und von Genuß,
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Von Wechsel und der Allvergänglichkeit!
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Ja, heil'ge Mutter, oft lag ich auf Dir
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Und weinte. Tröstend kühletest Du dann
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Mit Deinen Blumen, Deinem Grase, das,
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Wie ich, verwelket, meine Stirn voll Gluth.
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Erquickend stieg aus Dir ein Athem auf.
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War es ein Seufzer, zu beklagen mich?
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War es ein Mutterkuß? – O Zärtliche,
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Wie viele Klagen hast Du schon gehört
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Und nie gestillt! wie viele Seufzer sind
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In Deiner Brust verborgen! Und Du wirst
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Nicht matt und müde, Deine Lebenskraft
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Geschöpfen mitzutheilen? freuest Dich
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Des Schattengaukelwerks, das auf Dir spielt,
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Der Trümmer von zerbrochnen Königreichen
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Und Menschenherzen – all' des leichten Volks
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Der bunten Träume, das sich auf Dir jagt? –