Und zum Schlusse dieses Festes

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Johann Gottfried Herder: Und zum Schlusse dieses Festes Titel entspricht 1. Vers(1787)

1
Und zum Schlusse dieses Festes
2
Kosten wir ein Glas Madera,
3
Süß und traurig:

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Robert Machin, Anna d'Arfet,
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Er ein edler Britenjüngling,
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Sie die Tochter stolzer Eltern,
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Beide liebten sich, doch traurig.

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Hingeworfen ins Gefängniß
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Von des Mädchens stolzen Eltern,
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Schmachtete der edle Machin;
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Doch sein Herz blieb unverändert.

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Und des jungen Mannes Freunde
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Rüsten ihm ein Schiff am Ufer,
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Führen Robert aus dem Kerker,
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Ihm die Braut in seine Arme.

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Willig folget ihm die treue
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Anna d'Arfet in die Wellen.
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Liebe Wellen, rauschet glücklich!
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Fahret wohl, geliebte Beide!

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Hin nach Frankreichs holdem Ufer
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Steuern sie mit Macht und Kräften;
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Doch die Küste schwindet traurig,
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Traurig seufzen alle Winde.

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Dreizehn lange Tag' und Nächte
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Schweben sie auf offnem Meere,
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Ohne Weg' und ohne Rettung;
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Rette sie, geliebte Liebe!

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Da ging ihnen auf der Freude,
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Auf der Hoffnung Morgenröthe;
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Sieh, ein nahes schönes Eiland,
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Namlos – jetzo heißt's

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Neue Vögel, neue Bäume,
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Schöne Thäler, holde Hügel
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Locken freundlich sie zur Küste,
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Fliegen freundlich um ihr Segel.

36
»ach, es ist der Sitz der Liebe,«
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Spricht das freudetrunkne Mädchen,
38
»mitten unter wilden Wellen
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Uns vom Himmel zubereitet!

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Ferne von Europa's Ufer,
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Von dem unglücksel'gen Ufer,
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Eine der glücksel'gen Inseln
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Aus den alten Fabelzeiten.«

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Und sie steigen aus zum Lande,
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Grüßend die geliebte Küste.
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Die krystallne Wasserwoge
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Kommt und spielt um ihre Füße.

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Wilde Thiere kommen schmeichelnd,
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Huldigend dem Königspaare;
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Tausend Nachtigallen singen
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Ihnen Lobgesang der Liebe.

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Und sie finden ein verborgnes
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Schönes Thal, von dichten Bäumen
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Rings umschattet, wie ein Tempel,
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Wie ein Paradies der Liebe.

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»hier, Geliebter,« spricht das Mädchen,
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»in dem Tempel laß uns wohnen!
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Unter diesem heil'gen Baume
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Laß uns liebvereinet sterben!«

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Und ein böses Schicksal hörte
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Den schuldlosen Wunsch der Schönen;
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Wüthend kam ein harter Sturmwind
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Und riß los das Schiff vom Ufer,

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Riß es in die wilden Wellen,
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Stieß es an Marokko's Küste;
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Alle armen Christenseelen
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Wurden da der Mohren Sklaven.

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Leidend sah das weiche Mädchen
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Ihrer treuen Freunde Schicksal,
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Sah allein sich auf der Insel,
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Sah den Vielgeliebten traurig.

72
»unter diesem heil'gen Baume
73
Will ich ruhn, des Lebens müde!«
74
Schlang um ihn die festen Arme
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Und verschied am dritten Tage.

76
Ihr und sich erbaut der müde
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Robert nun fortan ein Grabmal
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Unter dem geliebten Baume
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Und verschied am fünften Tage.

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Eine Tafel auf dem Grabe
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Nannte ihrer Beider Namen,
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Sprach, erzählend die Geschichte,
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Sprach mit flehnden Worten also:

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»wenn einst dieses schöne Eiland
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Je ein Christenpilgrim findet,
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O, so weih' er unserm Grabe
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Eine Thrän' und einen Tempel!«

88
Als darauf nach manchen Jahren
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Don Gonsalvo und Morales
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Wiederfanden diese Insel
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Und auf ihr das Grab der Liebe,

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Weihten sie dem treuen Paare
93
Ein Gebet und einen Tempel;
94
Und der Hafen heißt

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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