Die Reue

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Johann Gottfried Herder: Die Reue (1789)

1
Tröst', o, tröste Dich, mein Herz,
2
Ueber Deine Leiden!
3
Blicke vor- und hinterwärts!
4
Süß ist überwundner Schmerz
5
Unverdienter Leiden.
6
Und verdientest Du den Schmerz,
7
So verdiene Freuden!

8
Irrthum zwar und Thorheit sind
9
Unser Loos hienieden,
10
Mißgestaltet, schwach und blind;
11
Jeder Fehler ist ihr Kind
12
Und verscheucht den Frieden.
13
Ach, der süßen Feinde sind
14
Uns so viel beschieden.

15
Aber jedem Fehl verband
16
Jene ew'ge Treue,
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Jener göttliche Verstand
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Seiner Liebe bestes Pfand,
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Daß sie uns erneue;
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Besserung wird sie genannt,
21
Menschen nennen s' Reue.

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Sanft zieht sie hinweg den Flor
23
Von des Fehlers Blicke;
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Warnend kommt sie ihm zuvor,
25
Oeffnet sanft sein taubes Ohr,
26
Führt ihn zart zurücke;
27
Durch der Reue niedres Thor
28
Wandern wir zum Glücke.

29
O, wie fröhlich fühlt das Herz
30
Dann verlebte Leiden,
31
Segnet seinen Arzt, den Schmerz,
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Blickt mit Schauer hinterwärts,
33
Siehet vorwärts Freuden!
34
Neu und freier wird das Herz
35
Durch besiegte Leiden.

36
Dank der mütterlichen Hand,
37
Die den Kelch uns mischet,
38
Die aus Schmerzen Lust erfand
39
Und mit Lust den Schmerz verband,
40
Der sie neu erfrischet.
41
Dank der mütterlichen Hand,
42
Die den Kelch uns mischet!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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