Wenn aus dem Leben kann ein Mensch sich finden

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Friedrich Hölderlin: Wenn aus dem Leben kann ein Mensch sich finden Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Wenn aus dem Leben kann ein Mensch sich finden,
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Und das begreifen, wie das Leben sich empfindet,
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So ist es gut; wer aus Gefahr sich windet,
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Ist wie ein Mensch, der kommt aus Sturm und Winden.

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Doch besser ists, die Schönheit auch zu kennen,
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Einrichtung, die Erhabenheit des ganzen Lebens,
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Wenn Freude kommt aus Mühe des Bestrebens,
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Und wie die Güter all in dieser Zeit sich nennen.

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Der Baum, der grünt, die Gipfel von Gezweigen,
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Die Blumen, die des Stammes Rind' umgeben,
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Sind aus der göttlichen Natur, sie sind ein Leben,
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Weil über dieses sich des Himmels Lüfte neigen.

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Wenn aber mich neugierge Menschen fragen,
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Was dieses sei, sich für Empfindung wagen,
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Was die Bestimmung sei, das Höchste, das Gewinnen,
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So sag ich, das ist es, das Leben, wie das Sinnen.

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Wen die Natur gewöhnlich, ruhig machet,
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Er mahnet mich, den Menschen froh zu leben,
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Warum? die Klarheit ists, vor der auch Weise beben,
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Die Freudigkeit ist schön, wenn alles scherzt und lachet.

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Der Männer Ernst, der Sieg und die Gefahren,
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Sie kommen aus Gebildetheit, und aus Gewahren,
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Es geb ein Ziel; das Hohe von den Besten
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Erkennt sich an dem Sein, und schönen Überresten.

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Sie selber aber sind, wie Auserwählte,
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Von ihnen ist das Neue, das Erzählte,
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Die Wirklichkeit der Taten geht nicht unter,
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Wie Sterne glänzen, gibts ein Leben groß und munter.

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Das Leben ist aus Taten und verwegen,
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Ein hohes Ziel, gehalteners Bewegen,
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Der Gang und Schritt, doch Seligkeit aus Tugend
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Und großer Ernst, und dennoch lautre Jugend.

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Die Reu, und die Vergangenheit in diesem Leben
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Sind ein verschiednes Sein, die eine glücket
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Zu Ruhm und Ruh, und allem, was entrücket,
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Zu hohen Regionen, die gegeben;

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Die andre führt zu Qual, und bittern Schmerzen,
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Wenn Menschen untergehn, die mit dem Leben scherzen,
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Und das Gebild und Antlitz sich verwandelt
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Von einem, der nicht gut und schön gehandelt.

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Die Sichtbarkeit lebendiger Gestalt, das Währen
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In dieser Zeit, wie Menschen sich ernähren,
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Ist fast ein Zwist, der lebet der Empfindung,
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Der andre strebt nach Mühen und Erfindung.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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