Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind

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Friedrich Hölderlin: Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind,
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Ich dir noch kennbar bin, die Vergangenheit,
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O du Teilhaber meiner Leiden!
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Einiges Gute bezeichnen dir kann,

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So sage, wie erwartet die Freundin dich?
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In jenen Gärten, da nach entsetzlicher
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Und dunkler Zeit wir uns gefunden?
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Hier an den Strömen der heilgen Urwelt.

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Das muß ich sagen, einiges Gutes war
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In deinen Blicken, als in den Fernen du
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Dich einmal fröhlich umgesehen,
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Immer verschlossener Mensch, mit finstrem

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Aussehn. Wie flossen Stunden dahin, wie still
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War meine Seele über der Wahrheit, daß
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Ich so getrennt gewesen wäre?
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Ja! ich gestand es, ich war die deine.

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Wahrhaftig! wie du alles Bekannte mir
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In mein Gedächtnis bringen und schreiben willst,
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Mit Briefen, so ergeht es mir auch,
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Daß ich Vergangenes alles sage.

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Wars Frühling? war es Sommer? die Nachtigall
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Mit süßem Liede lebte mit Vögeln, die
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Nicht ferne waren im Gebüsche
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Und mit Gerüchen umgaben Bäum uns.

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Die klaren Gänge, niedres Gesträuch und Sand,
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Auf dem wir traten, machten erfreulicher
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Und lieblicher die Hyazinthe
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Oder die Tulpe, Viole, Nelke.

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Um Wänd und Mauern grünte der Efeu, grünt'
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Ein selig Dunkel hoher Alleen. Oft
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Des Abends, Morgens waren dort wir,
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Redeten manches und sahn uns froh an.

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In meinen Armen lebte der Jüngling auf,
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Der, noch verlassen, aus den Gefilden kam,
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Die er mir wies, mit einer Schwermut,
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Aber die Namen der seltnen Orte

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Und alles Schöne hatt er behalten, das
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An seligen Gestaden, auch mir sehr wert,
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Im heimatlichen Lande blühet
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Oder verborgen, aus hoher Aussicht,

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Allwo das Meer auch einer beschauen kann,
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Doch keiner sein will. Nehme vorlieb, und denk
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An die, die noch vergnügt ist, darum,
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Weil der entzückende Tag uns anschien,

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Der mit Geständnis oder der Hände Druck
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Anhub, der uns vereinet. Ach! wehe mir!
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Es waren schöne Tage. Aber
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Traurige Dämmerung folgte nachher.

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Du seiest so allein in der schönen Welt,
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Behauptest du mir immer, Geliebter! das
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Weißt aber du nicht,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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