Chiron

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Friedrich Hölderlin: Chiron (1802)

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Wo bist du, Nachdenkliches! das immer muß
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Zur Seite gehn, zu Zeiten, wo bist du, Licht?
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Wohl ist das Herz wach, doch mir zürnt, mich
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Hemmt die erstaunende Nacht nun immer

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Sonst nämlich folgt ich Kräutern des Walds und lauscht
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Ein weiches Wild am Hügel; und nie umsonst.
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Nie täuschten, auch nicht einmal deine
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Vögel; denn allzubereit fast kamst du,

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So Füllen oder Garten dir labend ward,
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Ratschlagend, Herzens wegen; wo bist du, Licht?
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Das Herz ist wieder wach, doch herzlos
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Zieht die gewaltige Nacht mich immer.

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Ich wars wohl. Und von Krokus und Thymian
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Und Korn gab mir die Erde den ersten Strauß.
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Und bei der Sterne Kühle lernt ich,
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Aber das Nennbare nur. Und bei mir

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Das wilde Feld entzaubernd, das traurge, zog
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Der Halbgott, Zevs Knecht, ein, der gerade Mann;
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Nun sitz ich still allein, von einer
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Stunde zur anderen, und Gestalten

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Aus frischer Erd und Wolken der Liebe schafft,
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Weil Gift ist zwischen uns, mein Gedanke nun;
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Und ferne lausch ich hin, ob nicht ein
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Freundlicher Retter vielleicht mir komme.

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Dann hör ich oft den Wagen des Donnerers
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Am Mittag, wenn er naht, der bekannteste,
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Wenn ihm das Haus bebt und der Boden
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Reiniget sich, und die Qual Echo wird.

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Den Retter hör ich dann in der Nacht, ich hör
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Ihn tötend, den Befreier, und drunten voll
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Von üppgem Kraut, als in Gesichten,
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Schau ich die Erd, ein gewaltig Feuer;

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Die Tage aber wechseln, wenn einer dann
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Zusiehet denen, lieblich und bös, ein Schmerz,
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Wenn einer zweigestalt ist, und es
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Kennet kein einziger nicht das Beste;

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Das aber ist der Stachel des Gottes; nie
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Kann einer lieben göttliches Unrecht sonst.
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Einheimisch aber ist der Gott dann
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Angesichts da, und die Erd ist anders.

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Tag! Tag! Nun wieder atmet ihr recht; nun trinkt,
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Ihr meiner Bäche Weiden! ein Augenlicht,
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Und rechte Stapfen gehn, und als ein
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Herrscher, mit Sporen, und bei dir selber

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Örtlich, Irrstern des Tages, erscheinest du,
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Du auch, o Erde, friedliche Wieg, und du,
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Haus meiner Väter, die unstädtisch
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Sind, in den Wolken des Wilds, gegangen.

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Nimm nun ein Roß, und harnische dich und nimm
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Den leichten Speer, o Knabe! Die Wahrsagung
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Zerreißt nicht, und umsonst nicht wartet,
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Bis sie erscheinet, Herakles Rückkehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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