Jetzt komme, Feuer!

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Friedrich Hölderlin: Jetzt komme, Feuer! Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Jetzt komme, Feuer!
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Begierig sind wir,
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Zu schauen den Tag,
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Und wenn die Prüfung
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Ist durch die Knie gegangen,
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Mag einer spüren das Waldgeschrei.
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Wir singen aber vom Indus her
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Fernangekommen und
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Vom Alpheus, lange haben
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Das Schickliche wir gesucht,
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Nicht ohne Schwingen mag
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Zum Nächsten einer greifen
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Geradezu
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Und kommen auf die andere Seite.
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Hier aber wollen wir bauen.
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Denn Ströme machen urbar
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Das Land. Wenn nämlich Kräuter wachsen
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Und an denselben gehn
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Im Sommer zu trinken die Tiere,
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So gehn auch Menschen daran.

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Man nennet aber diesen den Ister.
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Schön wohnt er. Es brennet der Säulen Laub,
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Und reget sich. Wild stehn
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Sie aufgerichtet, untereinander; darob
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Ein zweites Maß, springt vor
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Von Felsen das Dach. So wundert
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Mich nicht, daß er
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Den Herkules zu Gaste geladen,
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Fernglänzend, am Olympos drunten,
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Da der, sich Schatten zu suchen
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Vom heißen Isthmos kam,
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Denn voll des Mutes waren
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Daselbst sie, es bedarf aber, der Geister wegen,
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Der Kühlung auch. Darum zog jener lieber
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An die Wasserquellen hieher und gelben Ufer,
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Hoch duftend oben, und schwarz
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Vom Fichtenwald, wo in den Tiefen
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Ein Jäger gern lustwandelt
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Mittags, und Wachstum hörbar ist
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An harzigen Bäumen des Isters,

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Der scheinet aber fast
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Rückwärts zu gehen und
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Ich mein, er müsse kommen
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Von Osten.
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Vieles wäre
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Zu sagen davon. Und warum hängt er
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An den Bergen gerad? Der andre,
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Der Rhein, ist seitwärts
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Hinweggegangen. Umsonst nicht gehn
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Im Trocknen die Ströme. Aber wie? Ein Zeichen braucht es,
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Nichts anderes, schlecht und recht, damit es Sonn
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Und Mond trag im Gemüt, untrennbar,
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Und fortgeh, Tag und Nacht auch, und
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Die Himmlischen warm sich fühlen aneinander.
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Darum sind jene auch
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Die Freude des Höchsten. Denn wie käm er
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Herunter? Und wie Hertha grün,
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Sind sie die Kinder des Himmels. Aber allzugedultig
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Scheint der mir, nicht
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Freier, und fast zu spotten. Nämlich wenn

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Angehen soll der Tag
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In der Jugend, wo er zu wachsen
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Anfängt, es treibet ein anderer da
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Hoch schon die Pracht, und Füllen gleich
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In den Zaum knirscht er, und weithin hören
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Das Treiben die Lüfte,
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Ist der zufrieden;
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Es brauchet aber Stiche der Fels
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Und Furchen die Erd,
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Unwirtbar wär es, ohne Weile;
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Was aber jener tuet, der Strom,
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Weiß niemand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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