Voll Güt ist; keiner aber fasset

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Friedrich Hölderlin: Voll Güt ist; keiner aber fasset Titel entspricht 1. Vers(1803)

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Voll Güt ist; keiner aber fasset
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Allein Gott.
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Wo aber Gefahr ist, wächst
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Das Rettende auch.
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Im Finstern wohnen
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Die Adler, und furchtlos gehen
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Im Tagewerk die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
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Auf leichtgebaueten Brücken.
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Drum, da gehäuft sind rings, um Klarheit,
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Die Gipfel der Zeit,
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Und die Liebsten nahe wohnen, sehnsuchtsvoll, ermattet, auf
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Getrenntesten Bergen,
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So gib unschuldig Wasser,
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O Fittige gib uns, treuesten Sinns
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Hinüberzugehn und wiederzukehren.

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So sprach ich, da entführte
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Mich künstlicher, denn ich vermutet,
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Und weit, wohin ich nimmer
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Zu kommen gedacht, ein Genius mich
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Vom eigenen Haus. Es kleideten sich
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Im Zwielicht, Menschen ähnlich, da ich ging,
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Der schattige Wald
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Und die sehnsüchtigen Bäche
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Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder.
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Viel aber mitgelitten erfahren haben wir, Merkzeichen viel. So
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In frischem Glanze, geheimnisvoll,
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In goldenem Rauche blühte
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Schnellaufgewachsen,
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Herzlich erkannt, mit Schritten der Sonne,
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Von tausend Tischen duftend, jetzt,

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Mir Asia auf und geblendet ganz
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Sucht eins ich, das ich kennete, denn nie gewöhnt hatt
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Ich mich solch breiter Gassen, wo herab
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Vom Tmolus aus fährt,
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Ein unzerbrechlich Zeug, der goldgeschmückte Paktol
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Und Taurus stehet und Messogis, und von Gewürzen
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Fast schläfrig der Garten,

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Vom Jordan fern und Nazareth
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Und fern vom See, an Capernaum, wo sie ihn
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Gesucht, und Galiläa die Lüfte, und von Cana.
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Eine Weile bleib ich, sprach er. Also wie mit Tropfen, heiligen,
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Stillte er das Seufzen des Lichts, das durstigem Tier war oder
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Dem Schreien des Huhns ähnlich, jenes Tages, als um Syrien, verblüht,
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Gewimmert der getöteten Kindlein heimatliche
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Anmut wohlredend im Verschwinden, und des Täufers
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Sein Haupt stürzt und, das goldene, lag uneßbarer und unverwelklicher Schrift gleich
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Sichtbar auf trockener Schüssel. Wie Feuer, in Städten, tödlichliebend
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Sind Gottes Stimmen. Brennend ist aber, gewißlich
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Das gleich behalten, im Großen das Große.
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Nie eine Weide. Daß einer
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Bleibet im Anfang. Jetzt aber
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Geht dieses wieder, wie sonst.

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Johannes. Christus. Diesen, ein
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Lastträger, möcht ich singen, gleich dem Herkules, oder
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Der Insel, welche gebannet, und angeblümt, sinnreich, erfrischend,
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Die benachbarte mit kalten Meereswassern aus der Wüste
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Der Flut, der weiten, Peleus. Aber nicht
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Genug. Anders ist es ein Schicksal. Wundervoller.
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Reicher, zu singen. Unabsehlich
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Seit dem die Fabel. Und auch möcht
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Ich die Fahrt der Edelleute nach
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Jerusalem, und wie Schwanen der Schiffe Gang und das Leiden irrend in Canossa, brennendheiß,
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Und den Heinrich singen. Aber daß uranfangs
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Der Mut nicht selber mich aussetze. Schauen, müssen wir mit Schlüssen,
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Der Erfindung, vorher. Denn teuer ists,
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Das Angesicht des Teuersten. Nämlich Leiden färbt
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Die Reinheit dieses, die rein

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Ist wie ein Schwert. Damals sah aber
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Der achtsame Mann
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Das Angesicht des Gottes,
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Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie
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Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls,
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Als in der großen Seele, wohlauswählend, den Tod
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Aussprach der Herr, und die letzte Liebe, denn nie genug
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Hatt er, von Güte, zu sagen
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Der Worte, damals, und zu bejahn schneeweiß. Aber nachher
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Sein Licht war Tod. Denn begrifflos ist das Zürnen der Welt, namlos.
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Das aber erkannt er. Alles ist gut. Drauf starb er.
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Es sahen aber, gebückt, desunerachtet, vor Gott die Gestalt
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Des Verleugnenden, wie wenn
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Ein Jahrhundert sich biegt, nachdenklich, in der Freude der Wahrheit
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Noch zuletzt die Freunde,

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Doch aber mußten sie trauern, nun, da
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Es Abend worden. Nämlich meistens ist rein
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Zu sein ein Geschick, ein Leben, das ein Herz hat,
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Vor solchem Angesicht, und dauert über die Hälfte.
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Zu meiden aber ist viel. Zu viel aber
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Der Liebe, wo Anbetung ist,
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Ist gefahrreich, triffet am meisten. Aber jene nicht
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Von Tränen und Schläfen des Herrn wollten
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Lassen und der Heimat. Eingeboren, glühend
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Wie Feuer rot war im Eisen das. Und schadend das Angesicht des Gottes wirklich
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Wie eine Seuche ging zur Seite, der Schatte des Lieben.
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Drum sandt er ihnen
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Den Geist, und freilich bebte
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Das Haus und die Wetter Gottes rollten
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Ferndonnernd, Männer schaffend, zornige, wie wenn Drachenzähne, prächtigen Schicksals,

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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