Nah ist

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Friedrich Hölderlin: Nah ist Titel entspricht 1. Vers(1802)

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Nah ist
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Und schwer zu fassen der Gott.
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Wo aber Gefahr ist, wächst
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Das Rettende auch.
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Im Finstern wohnen
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Die Adler und furchtlos gehn
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Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
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Auf leichtgebaueten Brücken.
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Drum, da gehäuft sind rings
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Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten
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Nah wohnen, ermattend auf
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Getrenntesten Bergen,
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So gib unschuldig Wasser,
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O Fittige gib uns, treuesten Sinns
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Hinüberzugehn und wiederzukehren.

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So sprach ich, da entführte
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Mich schneller, denn ich vermutet,
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Und weit, wohin ich nimmer
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Zu kommen gedacht, ein Genius mich
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Vom eigenen Haus. Es dämmerten
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Im Zwielicht, da ich ging,
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Der schattige Wald
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Und die sehnsüchtigen Bäche
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Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder;
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Doch bald, in frischem Glanze,
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Geheimnisvoll
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Im goldenen Rauche, blühte
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Schnellaufgewachsen,
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Mit Schritten der Sonne,
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Mit tausend Gipfeln duftend,

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Mir Asia auf, und geblendet sucht
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Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt
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War ich der breiten Gassen, wo herab
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Vom Tmolus fährt
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Der goldgeschmückte Paktol
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Und Taurus stehet und Messogis,
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Und voll von Blumen der Garten,
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Ein stilles Feuer, aber im Lichte
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Blüht hoch der silberne Schnee,
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Und Zeug unsterblichen Lebens
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An unzugangbaren Wänden
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Uralt der Efeu wächst und getragen sind
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Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern,
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Die feierlichen,
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Die göttlichgebauten Paläste.

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Es rauschen aber um Asias Tore
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Hinziehend da und dort
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In ungewisser Meeresebene
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Der schattenlosen Straßen genug,
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Doch kennt die Inseln der Schiffer.
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Und da ich hörte,
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Der nahegelegenen eine
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Sei Patmos,
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Verlangte mich sehr,
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Dort einzukehren und dort
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Der dunkeln Grotte zu nahn.
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Denn nicht, wie Cypros,
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Die quellenreiche, oder
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Der anderen eine
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Wohnt herrlich Patmos,

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Gastfreundlich aber ist
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Im ärmeren Hause
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Sie dennoch
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Und wenn vom Schiffbruch oder klagend
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Um die Heimat oder
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Den abgeschiedenen Freund
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Ihr nahet einer
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Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder,
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Die Stimmen des heißen Hains,
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Und wo der Sand fällt, und sich spaltet
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Des Feldes Fläche, die Laute,
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Sie hören ihn und liebend tönt
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Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte
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Sie einst des gottgeliebten,
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Des Sehers, der in seliger Jugend war

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Gegangen mit
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Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn
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Es liebte der Gewittertragende die Einfalt
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Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann
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Das Angesicht des Gottes genau,
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Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie
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Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls,
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Und in der großen Seele, ruhigahnend, den Tod
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Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug
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Hatt er von Güte zu sagen
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Der Worte, damals, und zu erheitern, da
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Ers sahe, das Zürnen der Welt.
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Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre
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Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte,
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Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,

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Doch trauerten sie, da nun
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Es Abend worden, erstaunt,
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Denn Großentschiedenes hatten in der Seele
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Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne
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Das Leben und lassen wollten sie nicht
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Vom Angesichte des Herrn
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Und der Heimat. Eingetrieben war,
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Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging
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Zur Seite der Schatte des Lieben.
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Drum sandt er ihnen
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Den Geist, und freilich bebte
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Das Haus und die Wetter Gottes rollten
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Ferndonnernd über
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Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend,
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Versammelt waren die Todeshelden,

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Itzt, da er scheidend
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Noch einmal ihnen erschien.
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Denn itzt erlosch der Sonne Tag,
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Der Königliche, und zerbrach
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Den geradestrahlenden,
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Den Zepter, göttlichleidend, von selbst,
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Denn wiederkommen sollt es,
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Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut
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Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu,
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Der Menschen Werk, und Freude war es
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Von nun an,
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Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren
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In einfältigen Augen, unverwandt
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Abgründe der Weisheit. Und es grünen
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Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,

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Doch furchtbar ist, wie da und dort
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Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott.
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Denn schon das Angesicht
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Der teuern Freunde zu lassen
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Und fernhin über die Berge zu gehn
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Allein, wo zweifach
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Erkannt, einstimmig
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War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern
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Die Locken ergriff es, gegenwärtig,
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Wenn ihnen plötzlich
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Ferneilend zurück blickte
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Der Gott und schwörend,
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Damit er halte, wie an Seilen golden
134
Gebunden hinfort
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Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten –

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Wenn aber stirbt alsdenn,
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An dem am meisten
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Die Schönheit hing, daß an der Gestalt
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Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet
140
Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander,
141
Sie sich nicht fassen können
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Einander, die zusammenlebten
143
Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder
144
Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel
145
Ergreift, wenn die Ehre
146
Des Halbgotts und der Seinen
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Verweht und selber sein Angesicht
148
Der Höchste wendet
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Darob, daß nirgend ein
150
Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder
151
Auf grüner Erde, was ist dies?

152
Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt
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Mit der Schaufel den Weizen,
154
Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne.
155
Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber
156
Ans Ende kommet das Korn,
157
Und nicht ein Übel ists, wenn einiges
158
Verloren gehet und von der Rede
159
Verhallet der lebendige Laut,
160
Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern,
161
Nicht alles will der Höchste zumal.
162
Zwar Eisen träget der Schacht,
163
Und glühende Harze der Aetna,
164
So hätt ich Reichtum,
165
Ein Bild zu bilden, und ähnlich
166
Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,

167
Wenn aber einer spornte sich selbst,
168
Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre,
169
Mich überfiele, daß ich staunt und von dem Gotte
170
Das Bild nachahmen möcht ein Knecht –
171
Im Zorne sichtbar sah ich einmal
172
Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern
173
Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist,
174
Solange sie herrschen, das Falsche, und es gilt
175
Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr.
176
Denn sie nicht walten, es waltet aber
177
Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk
178
Von selbst, und eilend geht es zu Ende.
179
Wenn nämlich höher gehet himmlischer
180
Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich,
181
Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,

182
Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab
183
Des Gesanges, niederwinkend,
184
Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket
185
Er auf, die noch gefangen nicht
186
Vom Rohen sind. Es warten aber
187
Der scheuen Augen viele,
188
Zu schauen das Licht. Nicht wollen
189
Am scharfen Strahle sie blühn,
190
Wiewohl den Mut der goldene Zaum hält.
191
Wenn aber, als
192
Von schwellenden Augenbraunen,
193
Der Welt vergessen
194
Stilleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen,
195
Der Gnade sich freuend, sie
196
Am stillen Blicke sich üben.

197
Und wenn die Himmlischen jetzt
198
So, wie ich glaube, mich lieben,
199
Wie viel mehr Dich,
200
Denn Eines weiß ich,
201
Daß nämlich der Wille
202
Des ewigen Vaters viel
203
Dir gilt. Still ist sein Zeichen
204
Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter
205
Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus.
206
Es sind aber die Helden, seine Söhne,
207
Gekommen all und heilige Schriften
208
Von ihm und den Blitz erklären
209
Die Taten der Erde bis itzt,
210
Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind

211
Ihm alle bewußt von jeher.
212
Zu lang, zu lang schon ist
213
Die Ehre der Himmlischen unsichtbar.
214
Denn fast die Finger müssen sie
215
Uns führen und schmählich
216
Entreißt das Herz uns eine Gewalt.
217
Denn Opfer will der Himmlischen jedes,
218
Wenn aber eines versäumt ward,
219
Nie hat es Gutes gebracht.
220
Wir haben gedienet der Mutter Erd
221
Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient,
222
Unwissend, der Vater aber liebt,
223
Der über allen waltet,
224
Am meisten, daß gepfleget werde
225
Der feste Buchstab, und Bestehendes gut
226
Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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