Nicht sie, die Seligen, die erschienen sind

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Friedrich Hölderlin: Nicht sie, die Seligen, die erschienen sind Titel entspricht 1. Vers(1801)

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Nicht sie, die Seligen, die erschienen sind,
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Die Götterbilder in dem alten Lande,
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Sie darf ich ja nicht rufen mehr, wenn aber,
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Ihr heimatlichen Wasser! jetzt mit euch
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Des Herzens Liebe klagt, was will es anders,
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Das Heiligtrauernde? Denn voll Erwartung liegt
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Das Land und als in heißen Tagen
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Herabgesenkt, umschattet heut,
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Ihr Sehnenden! uns ahnungsvoll ein Himmel.
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Voll ist er von Verheißungen und scheint
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Mir drohend auch, doch will ich bei ihm bleiben,
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Und rückwärts soll die Seele mir nicht fliehn
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Zu euch, Vergangene! die zu lieb mir sind.
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Denn euer schönes Angesicht zu sehn,
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Als wärs, wie sonst, ich fürcht es, tödlich ists,
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Und kaum erlaubt, Gestorbene zu wecken.

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Entflohene Götter! auch ihr, ihr gegenwärtigen, damals
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Wahrhaftiger, ihr hattet eure Zeiten!
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Nichts leugnen will ich hier und nichts erbitten.
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Denn wenn es aus ist, und der Tag erloschen,
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Wohl triffts den Priester erst, doch liebend folgt
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Der Tempel und das Bild ihm auch und seine Sitte
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Zum dunkeln Land und keines mag noch scheinen.
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Nur als von Grabesflammen, ziehet dann
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Ein goldner Rauch, die Sage, drob hinüber,
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Und dämmert jetzt uns Zweifelnden um das Haupt,
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Und keiner weiß, wie ihm geschieht. Er fühlt
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Die Schatten derer, so gewesen sind,
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Die Alten, so die Erde neubesuchen.
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Denn die da kommen sollen, drängen uns,
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Und länger säumt von Göttermenschen
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Die heilige Schar nicht mehr im blauen Himmel.

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Schon grünet ja, im Vorspiel rauherer Zeit
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Für sie erzogen, das Feld, bereitet ist die Gabe
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Zum Opfermahl und Tal und Ströme sind
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Weitoffen um prophetische Berge,
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Daß schauen mag bis in den Orient
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Der Mann und ihn von dort der Wandlungen viele bewegen.
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Vom Aether aber fällt
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Das treue Bild und Göttersprüche regnen
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Unzählbare von ihm, und es tönt im innersten Haine.
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Und der Adler, der vom Indus kömmt,
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Und über des Parnassos
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Beschneite Gipfel fliegt, hoch über den Opferhügeln
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Italias, und frohe Beute sucht
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Dem Vater, nicht wie sonst, geübter im Fluge
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Der Alte, jauchzend überschwingt er
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Zuletzt die Alpen und sieht die vielgearteten Länder.

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Die Priesterin, die stillste Tochter Gottes,
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Sie, die zu gern in tiefer Einfalt schweigt,
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Sie suchet er, die offnen Auges schaute,
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Als wüßte sie es nicht, jüngst, da ein Sturm
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Toddrohend über ihrem Haupt ertönte;
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Es ahnete das Kind ein Besseres,
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Und endlich ward ein Staunen weit im Himmel,
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Weil
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Die segnende, die Macht der Höhe sei;
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Drum sandten sie den Boten, der, sie schnell erkennend,
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Denkt lächelnd so: Dich, unzerbrechliche, muß
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Ein ander Wort erprüfen und ruft es laut,
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Der Jugendliche, nach Germania schauend:
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»du bist es, auserwählt,
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Alliebend und ein schweres Glück
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Bist du zu tragen stark geworden,

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Seit damals, da im Walde versteckt und blühendem Mohn
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Voll süßen Schlummers, trunkene, meiner du
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Nicht achtetest, lang, ehe noch auch geringere fühlten
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Der Jungfrau Stolz und staunten, wes du wärst und woher,
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Doch du es selbst nicht wußtest. Ich mißkannte dich nicht,
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Und heimlich, da du träumtest, ließ ich
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Am Mittag scheidend dir ein Freundeszeichen,
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Die Blume des Mundes zurück und du redetest einsam.
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Doch Fülle der goldenen Worte sandtest du auch,
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Glückselige! mit den Strömen und sie quillen unerschöpflich
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In die Gegenden all. Denn fast, wie der heiligen,
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Die Mutter ist von allem,
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Die Verborgene sonst genannt von Menschen,
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So ist von Lieben und Leiden
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Und voll von Ahnungen dir
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Und voll von Frieden der Busen.

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O trinke Morgenlüfte,
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Bis daß du offen bist,
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Und nenne, was vor Augen dir ist,
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Nicht länger darf Geheimnis mehr
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Das Ungesprochene bleiben,
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Nachdem es lange verhüllt ist;
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Denn Sterblichen geziemet die Scham,
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Und so zu reden die meiste Zeit,
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Ist weise auch, von Göttern.
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Wo aber überflüssiger, denn lautere Quellen,
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Das Gold und ernst geworden ist der Zorn an dem Himmel,
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Muß zwischen Tag und Nacht
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Einsmals ein Wahres erscheinen.
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Dreifach umschreibe du es,
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Doch ungesprochen auch, wie es da ist,
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Unschuldige, muß es bleiben.

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O nenne, Tochter du der heiligen Erd,
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Einmal die Mutter. Es rauschen die Wasser am Fels
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Und Wetter im Wald und bei dem Namen derselben
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Tönt auf aus alter Zeit Vergangengöttliches wieder.
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Wie anders ists! und rechthin glänzt und spricht
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Zukünftiges auch erfreulich aus den Fernen.
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Doch in der Mitte der Zeit
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Lebt ruhig mit geweihter
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Jungfräulicher Erde der Aether
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Und gerne, zur Erinnerung, sind,
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Die unbedürftigen, sie
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Gastfreundlich bei den unbedürftgen,
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Bei deinen Feiertagen,
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Germania, wo du Priesterin bist
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Und wehrlos Rat gibst rings
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Den Königen und den Völkern.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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