Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen

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Friedrich Hölderlin: Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen Titel entspricht 1. Vers(1801)

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Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen,
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Nährt die Parze denn nicht selber im Dienste dich?
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Drum, so wandle nur wehrlos
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Fort durchs Leben, und fürchte nichts!

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Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir,
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Sei zur Freude gewandt! oder was könnte denn
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Dich beleidigen, Herz! was
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Da begegnen, wohin du sollst?

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Denn, seitdem der Gesang sterblichen Lippen sich
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Friedenatmend entwand, frommend in Leid und Glück
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Unsre Weise der Menschen
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Herz erfreute, so waren auch

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Wir, die Sänger des Volks, gerne bei Lebenden,
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Wo sich vieles gesellt, freudig und jedem hold,
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Jedem offen; so ist ja
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Unser Ahne, der Sonnengott,

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Der den fröhlichen Tag Armen und Reichen gönnt,
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Der in flüchtiger Zeit uns, die Vergänglichen,
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Aufgerichtet an goldnen
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Gängelbanden, wie Kinder, hält.

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Ihn erwartet, auch ihn nimmt, wo die Stunde kömmt,
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Seine purpurne Flut; sieh! und das edle Licht
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Gehet, kundig des Wandels,
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Gleichgesinnet hinab den Pfad.

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So vergehe denn auch, wenn es die Zeit einst ist
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Und dem Geiste sein Recht nirgend gebricht, so sterb
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Einst im Ernste des Lebens
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Unsre Freude, doch schönen Tod!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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