Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst

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Friedrich Hölderlin: Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst Titel entspricht 1. Vers(1801)

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Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst
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In heilger Jugend; ja, und ich sag es noch!
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Um unsre Weisheit unbekümmert
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Rauschen die Ströme doch auch, und dennoch,

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Wer liebt sie nicht? und immer bewegen sie
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Das Herz mir, hör ich ferne die Schwindenden,
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Die Ahnungsvollen meine Bahn nicht,
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Aber gewisser ins Meer hin eilen.

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Denn selbstvergessen, allzubereit, den Wunsch
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Der Götter zu erfüllen, ergreift zu gern,
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Was sterblich ist, wenn offnen Augs auf
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Eigenen Pfaden es einmal wandelt,

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Ins All zurück die kürzeste Bahn; so stürzt
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Der Strom hinab, er suchet die Ruh, es reißt,
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Es ziehet wider Willen ihn, von
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Klippe zu Klippe, den Steuerlosen,

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Das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu;
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Das Ungebundne reizet und Völker auch
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Ergreift die Todeslust und kühne
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Städte, nachdem sie versucht das Beste,

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Von Jahr zu Jahr forttreibend das Werk, sie hat
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Ein heilig Ende troffen; die Erde grünt
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Und stille vor den Sternen liegt, den
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Betenden gleich, in den Sand geworfen,

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Freiwillig überwunden die lange Kunst
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Vor jenen Unnachahmbaren da; er selbst,
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Der Mensch, mit eigner Hand zerbrach, die
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Hohen zu ehren, sein Werk, der Künstler.

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Doch minder nicht sind jene den Menschen hold,
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Sie lieben wieder, so wie geliebt sie sind,
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Und hemmen öfters, daß er lang im
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Lichte sich freue, die Bahn des Menschen.

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Und, nicht des Adlers Jungen allein, sie wirft
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Der Vater aus dem Neste, damit sie nicht
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Zu lang ihm bleiben, uns auch treibt mit
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Richtigem Stachel hinaus der Herrscher.

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Wohl jenen, die zur Ruhe gegangen sind,
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Und vor der Zeit gefallen, auch die, auch die
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Geopfert, gleich den Erstlingen der
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Ernte, sie haben ein Teil gefunden.

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Am Xanthos lag, in griechischer Zeit, die Stadt,
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Jetzt aber, gleich den größeren, die dort ruhn,
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Ist durch ein Schicksal sie dem heilgen
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Lichte des Tages hinweggekommen.

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Sie kamen aber, nicht in der offnen Schlacht,
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Durch eigne Hand um. Fürchterlich ist davon,
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Was dort geschehn, die wunderbare
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Sage von Osten zu uns gelanget.

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Es reizte sie die Güte von Brutus. Denn
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Als Feuer ausgegangen, so bot er sich,
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Zu helfen ihnen, ob er gleich, als Feldherr,
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Stand in Belagerung vor den Toren.

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Doch von den Mauern warfen die Diener sie,
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Die er gesandt. Lebendiger ward darauf
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Das Feuer und sie freuten sich und ihnen
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Strecket' entgegen die Hände Brutus

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Und alle waren außer sich selbst. Geschrei
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Entstand und Jauchzen. Drauf in die Flamme warf
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Sich Mann und Weib, von Knaben stürzt' auch
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Der von dem Dach, in der Väter Schwert der.

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Nicht rätlich ist es, Helden zu trotzen. Längst
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Wars aber vorbereitet. Die Väter auch,
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Da sie ergriffen waren, einst, und
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Heftig die persischen Feinde drängten,

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Entzündeten, ergreifend des Stromes Rohr,
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Daß sie das Freie fänden, die Stadt. Und Haus
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Und Tempel nahm, zum heilgen Aether
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Fliegend, und Menschen hinweg die Flamme.

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So hatten es die Kinder gehört, und wohl
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Sind gut die Sagen, denn ein Gedächtnis sind
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Dem Höchsten sie, doch auch bedarf es
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Eines, die heiligen auszulegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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