Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst

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Friedrich Hölderlin: Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst,
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In heilger Jugend; ja und ich sag es noch!
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Um unsre Weisheit unbekümmert
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Rauschen die Ströme doch auch, und dennoch,

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Wer liebt sie nicht? und immer bewegen sie
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Das Herz mir, hör ich ferne die Schwindenden,
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Die Ahnungsvollen, meine Bahn nicht,
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Aber gewisser ins Meer hin eilen.

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Denn selbstvergessen, allzubereit, den Wunsch
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Der Götter zu erfüllen, ergreift zu gern,
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Was sterblich ist und einmal offnen
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Auges auf eigenem Pfade wandelt,

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Ins All zurück die kürzeste Bahn, so stürzt
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Der Strom hinab, er suchet die Ruh, es reißt,
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Es ziehet wider Willen ihn von
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Klippe zu Klippe, den Steuerlosen,

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Das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu,
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Und kaum der Erd entstiegen, desselben Tags
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Kehrt weinend zum Geburtort schon aus
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Purpurner Höhe die Wolke wieder.

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Und Völker auch ergreifet die Todeslust,
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Und Heldenstädte sinken; die Erde grünt
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Und stille vor den Sternen liegt, den
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Betenden gleich, in den Staub geworfen,

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Freiwillig überwunden die lange Kunst
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Vor jenen Unnachahmbaren da; er selbst,
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Der Mensch, mit eigner Hand zerbrach, die
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Hohen zu ehren, sein Werk, der Künstler.

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Doch minder nicht sind jene den Menschen hold,
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Sie lieben wieder, so, wie geliebt sie sind,
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Und hemmen öfters, daß er lang im
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Lichte sich freue, die Bahn des Menschen.

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Und wie des Adlers Jungen, er wirft sie selbst,
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Der Vater, aus dem Neste, damit sie sich
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Im Felde Beute suchen, so auch
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Treiben uns lächelnd hinaus die Götter.

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Wohl allen, die zur Ruhe gegangen sind
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Und vor der Zeit gefallen, auch sie, auch sie
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Geopfert gleich den Erstlingen der
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Ernte, sie haben ihr Teil gewonnen!

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Nicht, o ihr Teuern, ohne die Wonnen all
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Des Lebens gingt ihr unter, ein Festtag ward
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Noch Einer euch zuvor, und dem gleich
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Haben die anderen keins gefunden.

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Doch sichrer ists und größer und ihrer mehr,
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Die allen alles ist, der Mutter wert,
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In Eile zögernd, mit des Adlers
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Lust die geschwungnere Bahn zu wandeln.

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Drum weil sie fromm ist, ehr ich den Himmlischen
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Zu lieb des Volkes Stimme, die ruhige,
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Doch um der Götter und der Menschen
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Willen, sie ruhe zu gern nicht immer!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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